Moderne im Konflikt zwischen zwei Ländern kommt inzwischen mit mehr Gefahren einher, als sie von konventionellen Waffensystemen ausgehen. Eine groß angelegte Offensive gegen ein Land könnte auch über das Internet eingeleitet werden. Doch wie sähe solch ein Angriff aus? Sicher ließe sich mit gezielten Angriffen viel Chaos schaffen. Hauptangriffspunkt jedoch wäre die Stromversorgung.


Foto: ;lnk Joint Operations train against cyber war, Georgia National Guard, Flickr, CC BY-SA 2.0
Foto: ;lnk Joint Operations train against cyber war, Georgia National Guard, Flickr, CC BY-SA 2.0

Angriffe auf die digitale Infrastruktur könnten ein Land lahm legen

Ein Großteil der Verwaltung moderner Industrieländer läuft heutzutage über Datenbanken. Das bietet aber auch diverse Angriffspunkte: Datenbanken der Regierung beinhalten Daten zu den Krankenversicherungen, den Sozialsystemen, Steueraufkommen und viel mehr. Verkehrsleitsysteme und Flugsicherung sind vernetzte Computersysteme angewiesen, und das Internet ist ein unverzichtbares Werkzeug für viele Bürger. Angriffe auf die digitale Infrastruktur eines Landes können das tägliche Leben zum Erliegen bringen. Die Fähigkeit, sich gegen solche Angriffe verteidigen zu können, ist eine der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

Die Stromversorgung der digitalen Infrastruktur ist ein empfindlicher wunder Punkt. Die Hauptverkehrsstränge des Internets sind von der Versorgung mit elektrischer Energie abhängig und deshalb für gewöhnlich gleich durch mehrere redundante Stromkreise geschützt. Aber auch Backup-Generatoren und alternative Stromkreise können versagen oder Ziel eines Angriffs werden. Außerdem sind die Backup-Systeme oft so entworfen, dass sie zwar über mehrere Stunden Energie bereitstellen, aber nicht die normale Stromversorgung ersetzen können – eine breit angelegte Attacke auf die Internetversorgung eines Landes könnte sich jedoch über Wochen erstrecken.


Der frühere US-Verteidigungsminister William Cohen gab kürzlich zu bedenken, dass ein solcher Angriff nicht nur große wirtschaftliche Schäden sondern auch zivile Unruhen verursachen könnte. In Kriegssituationen könnte dies das entscheidende Zünglein an der Waage sein.

Mit DDoS-Attacken gegen das Stromnetz

Auch ein Angriff auf das komplette Stromnetz einer Nation wäre denkbar – ein probates Mittel wäre hierfür eine sogenannte DDoS-Attacke (distributed denial of service). Dabei wird ein System von mehreren Quellen quasi mit Informationen geflutet, was zu einer Überlastung des Netzes führt. Mit solchen Attacken lassen sich zahlreiche Computersysteme angreifen, und die Qualität von DDoS-Attacken steigt Jahr für Jahr. Ebenso wie ihre Anzahl – die Netzwerkspezialisten Verisign sprechen von einem Anstieg von 111 Prozent pro Jahr.

Gegen DDoS-Attacken kann man sich verteidigen. Aber groß angelegte Angriffe gegen die Infrastruktur eines Landes käme mit großen Herausforderungen einher, allein durch die Menge der Attacken. Allein die notwendigen Alarmbenachrichtigungen zu verteilen, bevor die Infrastruktur zusammenbricht, wäre unter Umständen mit Schwierigkeiten verbunden. Der Zusammenbruch von Kommunikationsmitteln könnte die Koordination der Verteidigung erschweren.

Deutschland muss die Gefahr ernster nehmen

Viele Länder unterhalten spezielle Einheiten oder Institutionen, um sich gegen Cyberangriffe zu verteidigen. Die Angriffe auf den Bundestag und die Regierung aus dem letzten Jahr zeigen aber, dass in Deutschland definitiv noch Handlungsbedarf besteht. Das Computer Emergency Response Team der Bundeswehr gilt auch heute noch als Sorgenkind der Truppe, was unter anderem daran liegt, dass die Bundeswehr als Arbeitgeber für hochqualifizierte Informatiker nicht unbedingt attraktiv ist. Auch ist die Struktur der Bundeswehr nicht unbedingt geeignet, um Menschen Arbeit zu geben, die dem Stereotyp des typischen Hacker entsprechen.

Beim Bundesnachrichtendienst gibt es eine Unterabteilung „Cyber Intelligence“, die grundsätzlich bessere Möglichkeiten hat als die Bundeswehr. Aber auch hier fehlen die Mittel.

Staaten wie China scheinen für die virtuelle Kriegsführung deutlich besser gerüstet. Aber auch terroristische Vereinigungen wie etwa der IS könnten in Zukunft auf die Idee kommen, Teile ihrer Aktionen ins Netz zu verlagern. Es besteht definitiv Handlungsbedarf, um zu verhindern, sich von solchen Attacken überraschen zu lassen.

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