Die Corona-Pandemie hat weltweit die Internetleitungen zum Glühen gebracht. Folgerichtig stieg auch die Nachfrage nach Rechenzentren. Dies wiederum hatte zur Folge, dass der Energieverbrauch der Anlagen stark gestiegen ist. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass hier nur ein ohnehin stattfindender Prozess noch einmal beschleunigt wurde. So verbrauchten alle europäischen Rechenzentren im Jahr 2010 noch 56 TWh/a. Inzwischen liegt der Wert schon bei 87 TWh/a. Dies entspricht in etwa 2,7 Prozent des gesamten europäischen Stromverbrauchs. Die Firma Windcloud sieht die immer zahlreicher werdenden Rechenzentren allerdings nicht als Problem für den Klimawandel an, sondern als Teil der Lösung. So betreibt die Firma im nordfriesischen Enge-Sande eine Anlage mit dreißig Serverschränken. Die Besonderheit: Das Rechenzentrum soll mehr CO2 binden als es an Klimaemissionen verursacht. Möglich machen dies Algen auf dem Dach.


Bild: Windcloud

Ökostrom alleine ist keine Besonderheit mehr

Zunächst einmal ist die positive Klimabilanz allerdings auch auf die Standortwahl zurückzuführen. Denn die Anlage befindet sich inmitten eines Umspannwerks, dessen Aufgabe darin besteht, Windstrom aus Offshore-Anlagen auf dem Land zu verteilen. Weil Schleswig-Holstein grundsätzlich mehr Windstrom produziert als es verbraucht, kann das Rechenzentrum so kostengünstig mit Ökostrom versorgt werden. Tatsächlich wird der Stromverbrauch zu 98 Prozent mithilfe der Windenergie gedeckt. Der Rest stammt von Solarmodulen und Biogasanlagen. Die Nutzung von Ökostrom ist allerdings schon längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr in der Branche. Fast alle Betreiber nutzen inzwischen entweder direkt sauberen Strom oder kaufen zumindest entsprechende Zertifikate. Windcloud-Chef Wilfried Ritter geht aber noch einen Schritt weiter: Er nutzt auch die in den Serverräumen entstehende Wärme, um die Klimabilanz des Rechenzentrums zu verbessern.

Die Algen auf dem Dach betreiben Photosynthese

Denn die Anlagen müssen dauerhaft gekühlt werden, um ihre volle Leistungsstärke zu erreichen. In Schleswig-Holstein geschieht dies mithilfe von Frischluft. Diese erwärmt sich dadurch auf rund 34 Grad Celsius. Dies wiederum entspricht in etwa der optimalen Wassertemperatur für das Algenwachstum. Auf dem Dach des Rechenzentrums wurde daher ein großes Gewächshaus angelegt, in dem Algen gezüchtet werden. Die in den Serverräumen erwärmte Luft sorgt nun dafür, dass die Gewächshäuser im Winter warm bleiben und im Sommer nicht zu heiß sind. Es fallen daher nur geringfügige zusätzliche Kosten für den Algenanbau an. Die Pflanzen wiederum betreiben Photosynthese. Sie produzieren also mithilfe von CO2, Wasser und Licht Sauerstoff. Betrachtet man nun Rechenzentrum und Gewächshaus als eine Anlage, so kommt man zu dem Ergebnis, dass die Algen mehr CO2 binden als die Server indirekt verbrauchen. Verkauft werden die Mikroalgen dann schließlich an die Kosmetikindustrie.


Via: FAZ

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