Für viele chinesische Firmen ist Indien der mit Abstand am stärksten wachsende Auslandsmarkt. Dies dürfte sich auch nicht all zu bald ändern. Denn das Potential des Subkontinents mit seinen mehr als einer Milliarde Einwohnern ist gewaltig. Doch zunächst einmal haben die wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Länder einen herben Dämpfer erlitten. Denn die indische Regierung hat die Nutzung von insgesamt 58 chinesischen Apps untersagt. Darunter ist auch das soziale Netzwerks TikTok, das auf dem Subkontinent rund 120 Millionen regelmäßige Nutzer hat. Offiziell begründet wurde der Bann mit Bedenken bezüglich des Datenschutzes. So sollen Nutzerdaten auf Server im Ausland übertragen worden sein. Auszuschließen ist dies natürlich nicht. Allerdings sind diese Vorwürfe auch nicht neu. Dass die Regierung in Neu Delhi ausgerechnet jetzt so hart durchgreift, dürfte daher politische Gründe haben.


Bild: AnasRoyals [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

Vor zwei Wochen gab es Gefechte im Himalaja

Tatsächlich gibt es aktuell in den Beziehungen zwischen Indien und China massive Spannungen. Schon seit längerem streiten die beiden Länder um die Vorherrschaft in Asien und kommen sich dabei immer wieder ins Gehege. Im Zuge der Corona-Krise kam in Indien zudem die Befürchtung auf, dass chinesische Firmen die Situation nutzen könnten, um Firmen billig aufzukaufen. Schnell wurde daher ein Gesetz verabschiedet, dass solche Zukäufe unterband. Offiziell waren davon alle Nachbarländer betroffen. Wirklich relevant war die Neuregelung aber nur für chinesische Firmen. Zuletzt flammte zudem ein alter Konflikt wieder auf. So ist der Grenzverlauf zwischen China und Indien im Himalaja umstritten. Vor rund zwei Wochen kam es dort zu militärischen Auseinandersetzungen, die zwanzig Todesopfer forderten. In Indien gingen anschließend zahlreiche Demonstranten auf die Straße und forderten ein entschiedenes Vorgehen der Regierung.

Der digitale Handelskrieg bietet einen Ausweg

Diese befindet sich allerdings in einem Dilemma. Denn im Zuge der Corona-Krise und des verhängten Lockdowns ist auch auch die indische Wirtschaft eingebrochen. Chinesische Produkte ganz klassisch mit Strafzöllen zu belegen, hätte daher dem eigenen Land vermutlich mehr geschadet als dem Gegner. Eine weitere militärische Eskalation kommt ebenfalls nicht in Frage. Denn die indische Armee ist zum einen deutlich kleiner als die chinesische. Zum anderen ist auch der Konflikt mit Pakistan noch immer nicht gelöst und beansprucht einen Großteil der entsprechenden Ressourcen. In dieser Situation scheint die Regierung sich nun für einen digitalen Handelskrieg entschieden zu haben. Das Verbot der Apps schadet der einheimischen Wirtschaft nicht, kann für einige aufstrebende chinesische Firmen aber zumindest einen Dämpfer darstellen. Theoretisch dürfte man sich im Reich der Mitte nicht einmal über die Maßnahme beschweren. Denn auch China hat zahlreiche ausländische Apps – etwa Facebook – verboten.


Via: The Verge

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