Theoretisch könnte die Erdwärme eine zuverlässige und saubere Form der Energieversorgung bieten. Praktisch allerdings wird sie bisher kaum genutzt. So liegt die Stromerzeugung aus Solaranlagen global rund vierzigmal so hoch wie die aus Geothermie-Bohrungen. Dabei gibt es zumindest in Deutschland eine extrem attraktive Einspeisevergütung für Strom aus Erdwärme. Diese liegt bei 227 Euro pro Megawattstunde – und damit sechsmal höher als der Preis an der Strombörse. Dass dennoch kaum neue Anlagen errichtet werden, liegt an Problemen aus der Vergangenheit. So gibt es Regionen auf der Welt, in denen nach einer Bohrung heißes Wasser von alleine nach oben steigt. Dies ist beispielsweise auf Island oder in Kalifornien der Fall. Das Wasser kann dann einfach abgepumpt und zur Stromerzeugung genutzt werden.


Bild: Eavor

Ein geschlossener Kreislauf sorgt für den gewünschten Effekt

Ist dies nicht der Fall, musste bisher Wasser unter hohem Druck in das Gestein gepresst werden, um es anschließend wieder abzupumpen. Diese Vorgehensweise erinnert ein wenig an das umstrittene Fracking bei der Erdgasförderung in den Vereinigten Staaten. Tatsächlich können die aufbrechenden Gesteinsschichten Erdbeben auslösen. So wurden in der Stadt Staufen in Baden-Württemberg auf diese Weise zahlreiche historische Häuser beschädigt. Ein kanadisches Startup scheint nun aber eine Lösung für dieses Problem gefunden zu haben. Denn die Firma Eavor betreibt eine Pilotanlage, bei der keine Gesteinsschichten mehr aufgebrochen werden müssen. Der Trick: Es werden zwei Bohrungen mit einem Abstand von einigen Kilometern durchgeführt. Anschließend werden diese tief unter der Erde durch waagerechte Bohrungen miteinander verbunden. So entsteht der sogenannte Eavor Loop.

Die Stromproduktion lässt sich gezielt steuern

Wird nun in das erste Rohr kaltes Wasser gefüllt sinkt dieses nach unten. Gleichzeitig steigt in der anderen Röhre warmes Wasser nach oben. Dies funktioniert vollkommen ohne künstliche Pumpen. Denn kaltes Wasser ist schlicht schwerer als warmes. Dadurch wird das von der Erdwärme erhitzte Wasser von ganz alleine nach oben gedrückt. Durch gezielte Veränderungen des Drucks innerhalb des Systems lässt sich zudem die Stromproduktion sehr genau steuern. Ein erstes kommerzielles Projekt soll nun in Deutschland entstehen. In Geretsried südlich von München wurde vor einiger Zeit bereits eine 6.000 Meter tiefe Bohrung durchgeführt. Allerdings stieg weniger Wasser als erwartet an die Oberfläche. Ein rentabler Betrieb war daher bisher nicht möglich. Eine zweite Bohrung und der geschlossene Kreislauf sollen dies nun ändern. Langfristig soll der so produzierte Strom dann preiswert genug werden, um auch ohne Einspeisevergütung Abnehmer zu finden.


Via: Klimareporter

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1 Kommentar

  1. Markus Spießl

    1. März 2021 at 11:33

    Eine mehrere Kilometer lange waagrechte Bohrung in 6km Tiefe klingt alles andere als einfach.
    Wie wollen sie das umsetzten?

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