Grundsätzlich gilt bei der Bekämpfung von Viren: Je mehr Wissenschaftler über ein Virus wissen, desto einfacher können sie Impfungen und Gegenmittel entwickeln. In den vergangenen zwölf Monaten wurden global schon enorm viele wichtige Erkenntnisse über das neuartige Coronavirus gewonnen. Doch viele Fragen sind auch noch ungeklärt. Wissenschaftler in Großbritannien setzen daher auf einen neuen Ansatz: Sogenannte „Human Challenge Trials“. Dabei werden eigentlich gesunde Personen in einer kontrollierten Umgebung bewusst mit dem Virus infiziert. Dadurch lassen sich neue Ansätze ausprobieren und Hypothesen überprüfen. Aus ethischer Sicht ist dieses Vorgehen allerdings nicht unumstritten. Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland lehnt solche Studien beispielsweise ab. In der Vergangenheit kamen „Human Challenge Trials“ beispielsweise bei der Erforschung von Grippe oder Malaria zum Einsatz. Nun sollen sie erstmals beim Coronavirus Anwendung finden.


Die Reaktion des Immunsystems soll besser verstanden werden

Durchgeführt wird die Studie in Zusammenarbeit mit dem Londoner Imperial College sowie dem Pharma-Forschungsinstitut hVivo. Finanziert wird die Studie unter anderem von der britischen Regierung, die umgerechnet 38,9 Millionen Euro zur Verfügung stellte. Davon wird auch die Entschädigung für die Probanden finanziert. Die genaue Höhe ist bisher aber noch unbekannt. In jedem Fall sollen in einem ersten Schritt 90 Freiwillige im Alter zwischen 18 und 30 Jahren gezielt infiziert werden. Zuvor allerdings müssen sie einen ausführlichen Gesundheitscheck durchlaufen. Anschließend wollen die Forscher unter anderem beobachten, wie das Immunsystem auf eine bestimmte Viruslast reagiert. Außerdem wird untersucht, wie die Viruspartikel an die Umwelt abgegeben werden. Später soll die Studie dann unter anderem bei der Entwicklung von Impfstoffen helfen. So können neue Mittel auf diese Weise sehr effizient getestet werden, weil deutlich weniger Probanden benötigt werden.


Die Ergebnisse lassen sich nicht so einfach übertragen

Untersucht wird zunächst allerdings nur der klassische Erreger, der sich im vergangenen Jahr weltweit verbreitet hat. Die deutlich ansteckendere Mutation B.1.1.7 ist hingegen nicht Teil der Studie. Um die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten, werden die Probanden zudem rund um die Uhr von Ärzten überwacht. Inwieweit die Ergebnisse dann allerdings tatsächlich genutzt werden können, ist umstritten. Denn solche Studien können nur bei jungen und gesunden Menschen durchgeführt werden. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht zwingend auf alle Bevölkerungsgruppen übertragen. Gerade beim Coronavirus sind es aber vor allem alte und chronisch kranke Menschen, die besonders gefährdet sind. Außerdem entspricht eine Ansteckung im Labor keineswegs einer Infektion in der freien Natur. Auch deshalb können die Ergebnisse nicht so einfach übertragen werden. Letztlich haben sich die Forscher in Großbritannien trotz dieser Nachteile aber für den Versuchsaufbau entschieden.

Via: BBC

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