Die Weltgesundheitsorganisation WHO steht in diesen Tagen so stark im Fokus wie selten zuvor. Die Experten dort haben aber nicht nur mit der Corona-Krise direkt zu kämpfen. Stattdessen müssen sie auch noch die indirekten Folgen für andere bereits laufende Projekte in den Griff kriegen. Beispiel: Polio. Die Kinderlähmung sollte eigentlich zeitnah durch groß angelegte Impfkampagnen ausgerottet werden. Doch in der Corona-Krise wird einerseits das benötigte Fachpersonal teilweise an anderer Stelle gebraucht. Andererseits ist auch die Gefahr zu groß, dass ausgerechnet durch die Impfkampagnen, bei denen die Helfer teilweise in extrem abgelegene Orte reisen, das Coronavirus weiter verbreitet wird. Deshalb wurde das Programm vorübergehend ausgesetzt. Die sich bereits in Reichweite befindliche Ausrottung der Kinderlähmung verschiebt sich daher zunächst auf unbestimmte Zeit nach hinten. Auch die Impfungen gegen Masern mussten in vielen afrikanischen Staaten ausgesetzt werden.


Malaria Impfung
Foto: Malaria Vaccine, Global Panorama, Flickr, CC BY-SA 2.0

Malaria und Ebola dürften wieder mehr Todesopfer fordern

Ähnlich sieht es auch bei anderen tödlichen Krankheiten aus. So ist die Weltgemeinschaft grundsätzlich auf einem guten Weg beim Kampf gegen Malaria. Innerhalb von zwanzig Jahren ist es gelungen, die Zahl der jährlichen Todesopfer von mehr als einer Million auf 380.000 zu reduzieren. Im Forschungsbereich konnten zudem wichtige Ziele erreicht werden. Selbst ein Impfstoff schien nicht mehr weit entfernt. Auch hier sorgt die Corona-Krise nun für Rückschläge. Denn Experten, Budgets und logistische Kapazitäten mussten abgezogen und umgeschichtet werden. Fachleute sind sich sicher, dass dies nicht ohne Folgen für den Kampf gegen Malaria bleiben wird. Schätzungen gehen davon aus, dass die Erfolge der letzten zehn Jahre zunichte gemacht werden könnten. Ein weiteres Beispiel für eine tödliche Krankheit, die sich aktuell stärker als erhofft ausbreitet ist Ebola. So ist die Epidemie im Osten des Kongos wieder aufgeflammt. Die Eindämmung wiederum wird durch die Corona-Krise erschwert.

Ohnehin vernachlässigte Krankheiten verschwinden vom Radar

Neben den konkreten Auswirkungen vor Ort dürfte es auch in der Forschung zu langwierigen Folgen kommen. Denn auch hier sind Experten und Budgets nicht unbegrenzt vorhanden. Zwar haben die Staaten zur Erforschung eines Covid-19-Impfstoffs zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Dennoch ist klar: Die massive Konzentration von Ressourcen wird auf anderen Feldern nicht ohne Folgen bleiben. So sterben in Afrika viele Menschen an tropischen Krankheiten wie dem Lassafieber, der Elefantiasis, der Schlafkrankheit oder der Bilharziose. Schon in normalen Zeiten fließt hier vergleichsweise wenig Geld in die Erforschung von Medikamenten und Impfstoffen. Die Corona-Krise dürfte nun dafür sorgen, dass zukünftig noch weniger Geld zur Verfügung steht. Auch bei diesen Krankheiten ist daher mit steigenden Todeszahlen zu rechnen.


Via: Der Standard

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