Der amerikanische Arzt William B. Coley gehörte zu den Pionieren in der Krebsforschung. Er entdeckte Ende des 19. Jahrhunderts, dass einige Krebspatienten unerwartet wieder gesundeten. Die Gemeinsamkeit: Alle hatten zuvor mit einer bakteriellen Infektion zu kämpfen. Daraus schloss Coley, dass die eigentlich gefährlichen Bakterien auch Chancen beim Kampf gegen den Krebs mit sich bringen. Er injizierte daraufhin gezielt Streptokokken in Tumore und konnte so tatsächlich einige Erfolge erzielen. Die Methode war allerdings nicht gezielt genug, um wirklich allen Patienten helfen zu können. Daher setzte sich schließlich die heute bekannte Strahlen- und Chemotherapie durch. Einige Startups knüpfen nun allerdings an die Pionierleistung von Coley an und experimentieren mit dem Einsatz von Keimen gegen den Krebs. Unterstützt werden sie dabei von neuen technischen Möglichkeiten – etwa der Genschere Crispr.


Das eigene Immunsystem wird zu Hilfe gerufen

Mit dieser ist es möglich, gezielte Veränderungen am Erbgut der Bakterien vorzunehmen. Etwas vereinfacht dargestellt, funktioniert der Angriff auf die Tumorzellen dann folgendermaßen: Zunächst wird das Bakterium so manipuliert, dass es ein bestimmtes Protein produziert. Anschließend werden die Keime über die Blutbahn des Menschen zu den Tumorzellen transportiert. Dort schleusen sie das gewünschte Protein dann in die mutierten Zellen ein. Dies wiederum sorgt dafür, dass die Tumorzellen Botenstoffe erzeugen, die das Immunsystem aktivieren. Die körpereigene Abwehr wird so alarmiert und gegen die Gefahr in Stellung gebracht. Eine solche Vorgehensweise wird auch als Immuntherapie bezeichnet. Führend auf diesem Gebiet ist unter anderem die Schweizer Firma T3 Pharma. Dort wird das Bakterium Yersinia enterocolitica fit für den Einsatz gegen den Krebs gemacht. Erste klinische Studien sollen noch dieses Jahr starten.


Die Keime können verschiedene Protein-Pakete transportieren

Im Labor erwies sich die Methode zudem bereits als erfolgreich: Bei Hunden und Ratten konnten die Tumore zumindest verkleinert werden. Im Kampf gegen Blutkrebs kommt eine Form der Immuntherapie zudem teilweise schon zum Einsatz: Sogenannte CAR-T-Zelltherapien. Diese sind aber extrem teuer und aufwändig, weil die entsprechenden Zellen jeweils individuell im Labor gezüchtet werden müssen. Der Einsatz der Keime hingegen soll deutlich preiswerter werden, weil diese bei jedem Patienten zum Einsatz gebracht werden können. Eine individuelle Anpassung ist also nicht nötig. Dies ermöglicht eine kostengünstige Massenproduktion. Im Idealfall könnten die Keime zudem mit vielen verschiedenen Protein-Paketen bestückt werden – und so unterschiedliche Krebsformen bekämpfen. Die große Hoffnung der Forscher: Eine Methode zu entwickeln, die den Krebs effizienter und mit weniger Nebenwirkungen bekämpft als die heute zur Verfügung stehenden Therapien.

Via: Wiwo

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