Ein sprechender Blindenhund, der die Person nicht nur führt, sondern auch verbal kommuniziert und die Umgebung beschreibt? Und nicht nur das: Seinen Besitzer soll er auch verstehen können, sodass er genau weiß, wohin es geht. Shiqi Zhang, Associate Professor an der Binghamton University, beschäftigt sich seit Jahren damit, Roboterhunde zu Führhunden »auszubilden«. Nun hat sein Team einen Unitree Go2-Roboterhund mit GPT-4 trainiert, sodass er auf Spracheingaben des Nutzers reagieren, Fragen stellen und die Umgebung analysieren kann. Vier warme Pfoten gegen einen Roboter eintauschen? Maximale Effizienz versus Hundeliebe Zahng beschreibt sein Projekt wie folgt: »Mit dieser Arbeit zeigen wir eine Fähigkeit des Roboter-Führhundes, die über die eines biologischen Führhundes hinausgeht. Echte Hunde verstehen maximal etwa 20 Kommandos. Bei einem Roboter-Führhund können Sie einfach GPT-4 mit Sprachbefehlen kombinieren – dann verfügt er über sehr starke Sprachfähigkeiten.« Maximale Effizienz versus Hundeliebe, also. Wie empfanden blinden Probanden den Umgang mit diesem besonderen Gefährten? Sieben blinde Menschen durften die Robo-Hunde erproben, innerhalb eines großen Gebäudes mit mehreren Räumen, das es zu durchqueren galt. Am Anfang stand der Informationsaustausch: Der Roboter fragte nach den Wünschen des Nutzers und lieferte danach laufend Informationen über die Umgebung. Er teilte zum Beispiel mit, dass sie gerade einen langen Flur durchqueren und dass sie nun die Haupthalle mit Sitzgelegenheiten und Informationsschaltern erreicht hätten. Auch die physische Führung der Leine war im Paket enthalten. Der »Hund« reagierte dabei auf Leinenzug, ähnlich wie ein echtes Tier. »Sie waren total begeistert von der Technologie …« Hinterher füllten die Probanden Fragebögen über ihr Erlebnis aus. Übereinstimmend sprachen sie sich für die Kombination aus verbaler und physischer Führung aus. Das reine Gezogenwerden schnitt deutlich schlechter ab. Allerdings fühlten sich die blinden Menschen mit dem Roboterhund etwas unsicherer als in Begleitung realer vier Pfoten. Das führen die Forscher auf die ungewohnte Situation zurück. Zhang zieht jedenfalls ein positives Fazit: »Sie waren total begeistert von der Technologie und den Robotern. Sie haben viele Fragen gestellt. Sie sehen wirklich das Potenzial der Technik und hoffen, dass sie bald einsatzbereit ist.« Natürlich sind bei einem echten Hund mehr Liebe und emotionale Bindung im Spiel. Gleichzeitig jedoch kostet ein solcher »Pfundskerl« in den USA zwischen 20.000 und 50.000 Dollar, weil er eine lange Ausbildung durchlaufen muss, die nur 50 bis 60 Prozent der Tiere überhaupt erfolgreich schaffen. Deshalb können sich nur etwa 2 bis 5 Prozent der blinden Menschen einen tierisch treuen Gefährten leisten. So gesehen kann der Robo-Hund eine wirklich sinnvolle Alternative werden. Quelle: newatlas.com Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter