Auch in Corona-Zeiten wird der Bamberger Busbahnhof jeden Tag von zahlreichen Passagieren genutzt. Diese können in ihrer Wartezeit nun eine echte Rarität beobachten. Denn mitten auf der Anlage steht hinter einem Glaskasten eine von Bosch installierte Brennstoffzelle. Genau genommen handelt es sich um eine Festoxid-Brennstoffzelle (englisch: Solid Oxide Fuel Cell – kurz: SOFC). Schon vor einiger Zeit hat der Bosch-Konzern angekündigt, bis zum Jahr 2024 insgesamt 100 Millionen Euro in diesen Bereich investieren zu wollen. Die Brennstoffzelle in Bamberg ist nun die erste Anlage dieser Art, die außerhalb der Bosch-Werke den Realbetrieb aufgenommen hat. Die Stromproduktion liegt bei rund zehn Kilowatt. Dies reicht aus, um die Nachfrage von zwanzig Vier-Personen-Haushalten in der unmittelbaren Nachbarschaft zu decken. Eine Bäckerei nutzt zusätzlich die entstehende Wärme zum Heizen und zur Wassererhitzung.


Bild: Bosch

Die Serienproduktion soll schon im Jahr 2024 starten

Diese doppelte Nutzung erhöht den Wirkungsgrad signifikant. Bei der reinen Stromproduktion liegt dieser bei 60 Prozent. Durch die zusätzliche Wärmenutzung steigt dieser Wert sogar auf mehr als 85 Prozent. Eine solche dezentrale Stromversorgung spielt bei der Realisierung der Energiewende eine wichtige Rolle. Denn dadurch reduziert sich der Bedarf an Stromtransporten. Außerdem können lokale Schwankungen bei der Produktion von Wind- und Sonnenenergie besser ausgeglichen werden. Ab dem Jahr 2024 möchte Bosch solche SOFC-Anlagen dann auch in Serie produzieren. Pro Jahr könnten dann Kleinkraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 200 Megawatt produziert werden. Dies entspräche in etwa dem Verbrauch von rund 400.000 Haushalten. Aktuell ist Bosch der erste Konzern, der hier eine Serienproduktion angekündigt hat. Der Konzern selbst rechnet aber damit, dass der Markt für stationäre Brennstoffzellen bis zum Jahr 2030 auf rund zwanzig Milliarden Euro anwachsen wird.

Zunächst wird die Anlage noch mit fossilem Erdgas betrieben

Die Konkurrenz dürfte in den nächsten Jahren also stark zunehmen. Zunächst wird die Brennstoffzelle in Bamberg übrigens noch mit Erdgas betrieben. Diese Vorgehensweise ist zwar nicht vollständig klimaneutral, trägt aber zumindest zum Klimaschutz bei. Denn verglichen mit dem gesamten deutschen Strommix ergibt sich für den in der Brennstoffzelle erzeugten Strom eine CO2-Einsparung von rund vierzig Prozent. Der große Vorteil zudem: Die Anlage kann theoretisch schon jetzt auch mit Wasserstoff betrieben werden. Anders als bei großen und teuren Gaskraftwerken wird hier also nicht dauerhaft die Nutzung von fossilen Energieträgern zementiert. Aktuell würde die Nutzung von Wasserstoff allerdings noch nicht viel Sinn ergeben. Denn das Angebot an grünem Wasserstoff ist momentan noch stark begrenzt. Als „grün“ wird das Gas bezeichnet, wenn der hohe Energiebedarf bei der Produktion ausschließlich durch Ökostrom gedeckt wird. Ist dies der Fall dann ist auch der Betrieb der Brennstoffzelle klimaneutral.


Via: Bosch

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