Wer heute von Deutschland aus mit der Bahn nach London fahren möchte, muss entweder in Paris oder Brüssel umsteigen. Eine direkte Zugverbindung existiert nicht. Dabei hatte die Deutsche Bahn im Jahr 2012 eigens einen Probelauf gestartet, um eine Direktverbindung zu testen. Doch die Kosten erwiesen sich als zu hoch für einen wirtschaftlichen Betrieb. Außerdem war die technische Umsetzung extrem kompliziert. Eine neue Initiative könnte solche und ähnliche Projekte nun aber wieder mit Leben füllen. Denn die deutsche Bundesregierung übernimmt im Sommer die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union. Die Übernahme des Vorsitzes wird traditionell genutzt, um bestimmte Themen in den Vordergrund zu rücken. Ein Projekt der deutschen Ratspräsidentschaft wurde nun bekannt: Der Aufbau eines europaweiten Bahnnetzes.


Ein Zug der niederländischen Bahn in Venlo. Foto: By M.Bienick (M.Bienick) [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons

Die staatlichen Bahnnetze sollen miteinander verbunden werden

Zumindest die Metropolen des Kontinents sollen dann mit sicheren, komfortablen und schnellen Zugverbindungen zu erreichen sein. Die Basis für ein solches europaweites Streckennetz ist bereits gelegt. Denn in den einzelnen Staaten existieren schon Hochgeschwindigkeitsnetze. Diese müssen nur miteinander verbunden werden – etwa durch die Implementierung gemeinsamer Standards. Ganz neu ist diese Idee zudem nicht: Von 1957 bis 1987 fuhren Züge des sogenannten Trans-Europ-Express(TEE) durch die Staaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft sowie Österreich und die Schweiz. Damals richtete sich das Angebot vor allem an Geschäftsreisende. So gab es beispielsweise ein eigenes Zugsekretariat. Ersetzt wurde der TEE letztlich durch den Eurocity. Das Angebot an grenzüberschreitenden Zugverbindungen ging in der Folge aber zurück.

Österreichs Bahn betreibt grenzüberschreitende Nachtzüge

Dieser Trend soll nun offensichtlich mit staatlicher Hilfe umgekehrt werden. Wie dies funktionieren kann, ist in Österreich zu beobachten. Dort unterstützt die Regierung die staatliche Bahn mit einem zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr, damit diese weiterhin – als einziges Bahnunternehmen in Europa – Nachtzüge betreiben kann. Inzwischen gibt es daher Nachtzug-Verbindungen zwischen Deutschland, Frankreich, Italien, der Schweiz und eben Österreich. Durch weitere gezielte staatliche Unterstützung könnte dieses Netz weiter ausgebaut werden. Das Ziel: Endlich mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern und so die CO2-Emissionen im Verkehrssektor zu senken. Bisher waren die Regierungen in Europa in diesem Punkt nicht besonders erfolgreich: Seit dem Jahr 1990 sind die Klima-Emissionen im Verkehrsbereich nicht gesunken.


Via: Handelsblatt

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