Immer mehr Kunden weltweit legen Wert auf lokal produzierte Lebensmittel. Gleichzeitig erfreuen sich auch Städter immer öfter daran, selbst Obst und Gemüse anzubauen. Beide Effekte zusammen sorgen dafür, dass Urban Farming weltweit an Beliebtheit gewinnt. Dies gilt auch für die französische Hauptstadt Paris. Dort sind Flächen traditionell extrem knapp, sodass viele Flachdächer von den Hausbewohner mitgenutzt werden. Vor einigen Jahren etablierten sich dort Bienenstöcke, später wurden immer mehr Blumenwiesen angelegt. Von dort aus war der Weg dann nicht mehr weit bis zum Obst- und Gemüseanbau. Pascal Hardy hat daraus sogar ein Geschäftsmodell entwickelt und ein Startup namens Agripolis gegründet. Neuestes Projekt des Unternehmens: Im Südwesten der Stadt soll die größte Dachfarm der Welt entstehen.


Dachfarmen bringen mehrere große Vorteile mit sich

Dort sollen 20 Gärtner auf einer Fläche von 14.000 Quadratmeter insgesamt 30 verschiedene Obst- und Gemüsesorten anbauen. In der Hauptsaison sollen die Mitarbeiter dann rund eine Tonne Lebensmittel pro Tag ernten und ausliefern können. Die Vorteile des innerstädtischen Anbaus liegen auf der Hand. So sind die Transportwege extrem kurz, es werden keine anderweitig nutzbaren Flächen verbraucht und der Wasser- und Energiebedarf liegt niedriger als in der klassischen Landwirtschaft. Mit der neuen Riesenfarm will Agripolis zudem auch erstmals einen wirtschaftlichen Betrieb einer Dachfarm ermöglichen. Bisher scheitern die meisten Projekte an dieser Aufgabe, weil die bewirtschafteten Flächen schlicht zu klein sind für eine profitable Nutzung. Eine Ausweitung ist aber in der Regel aus recht offensichtlichen Gründen nicht möglich.

Die Luftverschmutzung könnte zum Problem werden

Wenn Urban Farming also tatsächlich einen signifikanten Beitrag zur Versorgung der städtischen Bevölkerung leisten soll, müssen vor allem größere Dächer – etwa von Industriebauten – ins Visier genommen werden. Wissenschaftler warnen allerdings noch vor einer weiteren Problematik. Denn in den Städten ist die Schadstoff-Belastung der Luft in der Regel sehr hoch. Dies wiederum sind nicht die besten Bedingungen, um Lebensmittel anzubauen. Wissenschaftler des Forschungsinstituts AgroParisTech untersuchten beispielsweise das Obst und Gemüse von vier Dachfarmen, die direkt an viel befahrenen Ausfallstraßen lagen. Das Ergebnis: Sie fanden Rückstände von Schwermetallen wie Blei, Kadmium, Kupfer, Quecksilber und Zink. Noch ist die Datenlage aber zu gering, um hier ein finales Urteil zu fällen.


Via: Wiwo

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