Theoretisch stellt der afrikanische Kontinent mit seinen 1,2 Milliarden Einwohnern einen höchst interessanten Markt dar. Zumal die Bevölkerung zumeist jung ist und die Einwohnerzahlen weiter steigen. In der Praxis aber existiert bisher kaum ein zusammenhängender afrikanischer Markt. Stattdessen haben Unternehmerinnen und Unternehmer mit einem riesigen Flickenteppich an Regeln, Zöllen und Standards zu kämpfen. Oftmals ist es daher einfacher, Produkte direkt nach Europa zu exportieren als in ein afrikanisches Nachbarland. Zumal komplizierte und sich regelmäßig ändernde Regeln stets auch die Korruption befördern. Die kuriose Folge: Schaut man sich die Handelsbilanzen der einzelnen Länder an, macht der innerafrikanische Handel nur rund 17 Prozent aus. In Europa liegt der entsprechende Wert hingegen bei 69 Prozent. Ein innerafrikanisches Projekt soll nun dafür sorgen, dass die Zahlen sich in diesem Punkt zumindest ein wenig angleichen.


Bild: Zouzou Wizman, Creative Commons Attribution 2.0 Generic, via Wikimedia Commons

Die Corona-Pandemie verdeutlichte die Notwendigkeit des Projekts

So startete am 01. Januar dieses Jahres die afrikanische Freihandelszone (AfCFTA). An dieser sind 54 Länder mit mehr als 1,2 Milliarden Einwohnern beteiligt. Die eigentliche Arbeit liegt nun aber erst noch vor den Beteiligten. Denn das Ziel ist zwar klar: Bei 90 Prozent der Waren und Dienstleistungen sollen die Zölle gestrichen werden. Außerdem ist eine weitgehende Angleichung der Handelsregeln und Standards geplant. Doch bisher wurde das Projekt lediglich gestartet. Die konkrete Ausgestaltung muss nun noch verhandelt werden. Für die Regierungen der einzelnen Länder wird dies kein einfaches Unterfangen werden. Denn natürlich gibt es überall auch starke Kräfte, die vom aktuellen Zustand profitieren. Diese dürften versuchen, das ambitionierte Projekt zu stoppen oder zumindest zu verwässern. Einen Schub erhielt das Vorhaben hingegen ausgerechnet durch die Corona-Pandemie. Denn Schutzausrüstung musste in Afrika zumeist importiert werden, war aber nur schwer zu bekommen. Die vielen bürokratischen Hindernisse erschwerten zudem die direkte Hilfe zwischen den Nachbarstaaten.

Die Infrastruktur muss stark ausgebaut werden

Die Weltbank hat sich bereits wissenschaftlich mit den Chancen einer einheitlichen Freihandelszone in Afrika befasst. Die Experten dort kamen zu dem Schluss, dass sich die Wirtschaftsleistung des Kontinents innerhalb von fünfzehn Jahren um stolze 335 Milliarden Dollar steigern ließe. Dreißig Millionen Menschen könnten so den Sprung aus der Armut schaffen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass den heute bereits vorhandenen Kleinunternehmern und Händlern nicht die Existenzgrundlage entzogen wird. Ein gemeinsamer Markt böte zudem die Chance, ein schon seit langem existierendes Ungleichgewicht im Welthandel zu korrigieren. So werden die meisten Rohstoffe direkt exportiert. Die Weiterverarbeitung und Wertschöpfung geschieht dann woanders. Mit einem starken Binnenmarkt im Rücken, wäre es deutlich einfacher, selbst entsprechende Produktionsstätten zu betreiben. Bis dahin muss allerdings zunächst viel gebaut werden. Denn weil bisher nur wenig Handel zwischen den Staaten stattfand, wurde auch die nötige Infrastruktur an Straßen, Häfen und Schienen nur rudimentär ausgebaut.


Via: Tagesschau

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