Bäume können einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Denn wenn sie wachsen, nehmen sie CO2 auf. Dadurch wirken sie wie eine Art natürlicher CO2-Speicher. Dieser Effekt ist schon länger bekannt. So bot Nordkorea vor einigen Jahren im Rahmen der Weltklimakonferenz von Paris an, ein flächendeckendes Aufforstungsprogramm zu starten. Auch andere Staaten – etwa Pakistan oder Irland – haben massive Programme ins Leben gerufen, um Bäume in großer Zahl zu pflanzen. Inzwischen gibt es weltweit sogar gleich drei Initiativen, die sich zum Ziel gesetzt haben, jeweils mindestens eine Milliarde Bäume neu auszusetzen. Bei all dieser Euphorie blieb aber eine Frage unbeantwortet: Bringen diese ganzen Aktionen überhaupt die gewünschten Effekte mit sich? Erst in den letzten Wochen wurden dazu einige Studien veröffentlicht. Die Ergebnisse fielen durchaus gemischt aus. In der Tendenz lässt sich aber sagen: Qualität geht auch hier über Quantität.


Bild: Adrian Farwell / CC BY (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)

Bäume pflanzen alleine ist nicht genug

Vor allem besonders medienwirksame Aktionen sind in aller Regel nicht besonders nachhaltig. So pflanzte die Türkei im Jahr 2019 innerhalb kürzester Zeit rund 11 Millionen Bäume. Eine Stadt schaffte es sogar ins Guinness Buch der Rekorde für die meisten gepflanzten Bäume innerhalb von sechzig Minuten. Die Initiatoren hatten allerdings eine Sache vergessen: Bäume pflanzen alleine reicht noch nicht für einen positiven Einfluss auf den Kampf gegen den Klimawandel. Stattdessen müssen die Pflanzungen anschließend auch wachsen. Im Fall der türkischen Initiative geschah genau dies aber viel zu selten: Schon nach drei Monaten waren bis zu 90 Prozent der neu gepflanzten Bäume abgestorben. Der simple Grund: Viele der Bäume wurden nicht zur richtigen Jahreszeit gepflanzt. Es fiel daher schlicht nicht genug Regen. Dies ist ein besonders krasses Beispiel für eine gescheiterte Aufforstungsaktion. Es gibt weltweit aber noch zahlreiche Fälle, die in eine ähnliche Richtung gehen.

Teilweise ergab sich sogar ein negativer Effekt fürs Klima

So zahlte die mexikanische Regierung eine Prämie an Farmer, die Bäume auf ihren Ländereien pflanzten. Tatsächlich führte dies dazu, dass viele Farmer zunächst Wald rodeten, um dort dann neue Pflanzungen vorzunehmen – und das staatliche Geld zu kassieren. Im Endeffekt wurde so keine Aufforstung, sondern das exakte Gegenteil erreicht. In China und Brasilien wiederum sorgten unkontrollierte Baumpflanzungen dafür, dass riesige Graslandschaften zerstört wurden, obwohl diese ebenfalls große Mengen an CO2 speichern. Auch hier ergab sich letztlich sogar ein negativer Effekt für das Klima. Die jetzt durchgeführten Studien weisen daher eindrücklich auf zwei Dinge hin:


1. Bäume pflanzen alleine reicht nicht. Vielmehr müssen diese kontinuierlich überwacht und gepflegt werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass sie auch wachsen und CO2 aufnehmen.

2. Die Besonderheiten der lokalen Ökosysteme dürfen nicht vergessen werden. Bäume sind nicht die einzigen natürlichen CO2-Speicher und nicht in allen Fällen die beste Lösung.

So sollte es richtig gemacht werden

Tatsächlich gibt es auch zahlreiche Beispiele für erfolgreiche und nachhaltige Aufforstungsaktionen. So arbeitet in Brasilien die gemeinnützige Organisation „Instituto de Pesquisas Ecológicas“ mit lokalen Bevölkerungsgruppen zusammen. In den letzten Jahren wurden so mehr als 2,7 Millionen einheimische Bäume gepflanzt, von denen so gut wie alle gut anwuchsen. Die Bäume wachsen aber nicht nur, sondern versorgen auch die lokale Bevölkerung mit Früchten und Holz. Diese wiederum hat daher ein Interesse am Erhalt der neuen Pflanzen und kümmert sich um diese. Im Endeffekt ist es so gelungen, eine Win-Win-Situation für das Klima und alle Beteiligten zu schaffen. Ähnliche Ansätze gibt es auch in vielen weiteren Ländern. Sie sind deutlich erfolgsversprechender als groß angelegte Aktionen, die nicht langfristig begleitet werden. Abgesehen davon, hat die Menschheit noch einen ganz anderen Hebel in der Hand: Wenn es endlich gelänge die massiven Rodungen des Regenwalds zu stoppen, müssten auch weniger Bäume neu gepflanzt werden.

Via: Vox

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