Schon aus der Antike ist bekannt, dass der Nil regelmäßig über seine Ufer trat und so für extrem fruchtbare Böden sorgte. Ägypten galt daher auch als Kornkammer des Römischen Reiches. Ein unfreiwilliges Experiment in den 1960er Jahren sorgte schließlich dafür, dass die dahinter stehenden Mechanismen sichtbar wurden. Damals wurde am Nil der Assuanstaudamm errichtet. Dieser wurde so konzipiert, dass sich die regelmäßigen Überschwemmungen durch gezielte Schleusenöffnungen simulieren ließen. Nach rund zehn Jahren brach die landwirtschaftliche Produktion unterhalb des Staudamms dennoch massiv ein. Untersuchungen zeigten: Der Nil brachte nicht einfach nur Wasser auf die überfluteten Felder, sondern auch einen fruchtbaren Schlamm. Darin wiederum waren große Menge an fein geriebenem Ton enthalten, die letztlich für die fruchtbaren Böden verantwortlich waren. Diese Erkenntnis hat sich nun das norwegische Startup Desert Control zunutze gemacht und einen entsprechenden künstlichen Nanoton entwickelt.


Bild: Albert Backer [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

Feldversuche haben die Wirksamkeit des Konzepts unter Beweis gestellt

Dieser liegt in flüssiger Form vor und kann gemeinsam mit Wasser auf Böden aufgesprüht werden. Geschieht dies auf sandigem Wüstenboden, versickert die Flüssigkeit zunächst und geht dann eine Verbindung mit den Sandkörnern ein. Möglich ist dies aufgrund der Bodenchemie: Die Lehmpartikel haben eine negative Ladung, während die Sandkörner positiv geladen sind. Die Verbindung wiederum sorgt dafür, dass die Fläche rund um das einzelne Sandkorn größer wird. Wasser und Nährstoffe bleiben daran dann leichter haften. Auf diese Weise lassen sich Wüstenböden für den Ackerbau nutzbar machen. Dies wurde bei Feldversuchen in China, Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Pakistan inzwischen mehrfach unter Beweis gestellt. Allerdings wurde dabei auch eine Einschränkung sichtbar. So muss die Ton-Mixtur jeweils an den vorhandenen Boden angepasst werden. Oder anders ausgedrückt: Es gibt keine Standardrezeptur, die überall aufgesprüht werden kann.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten entsteht eine erste Fabrik

Stattdessen müssen zunächst Bodenproben analysiert werden, um dann die benötigte Mixtur zusammenzustellen. Dies macht die Nutzung der Technologie vergleichsweise teuer. Aktuell liegen die Kosten bei rund 1,50 Euro pro Quadratmeter. In vielen Ländern der Welt wären die so gewonnenen Ackerflächen daher nicht wirtschaftlich zu betreiben. Trotzdem gibt es schon jetzt sinnvolle Einsatzmöglichkeiten. In den Vereinigten Arabischen Emiraten etwa wurde innerhalb von vierzig Tagen aus einer Wüstenfläche ein Feld mit reifen Wassermelonen. Die Emirate sind bisher fast vollständig auf den Import von Lebensmitteln angewiesen und daher auch bereit die etwas höheren Kosten in Kauf zu nehmen. Folgerichtig wird dort aktuell auch eine erste Mini-Fabrik zur Produktion des Substrats errichtet. Dort sollen zukünftig 40.000 Liter pro Stunde hergestellt werden können. Langfristig will Desert Control die Kosten zudem weiter senken. Ein Preis von zwanzig Cent pro Quadratmeter erscheint dem Unternehmen möglich.


Via: Stern

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