Dieses Klischee sitzt: An den Hebeln der Macht befinden sich hauptsächlich Fieslinge und Egoisten – Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Wahrscheinlich sind Charakterzüge wie Rücksichtslosigkeit und Unhöflichkeit in dieser Gesellschaft karrierefördernd, denkt sich so mancher und versucht vielleicht sogar, sein eigenes Verhalten an dieser Faustregel auszurichten. Wissenschaftler haben den Mythos vom mächtigen Fiesling jetzt aber widerlegt.


Das Klischee vom fiesen Boss wird eher selten erfüllt

Ein »Fiesling« ist kühl, distanziert und unhöflich

Dass Nettsein sich nicht bezahlt macht, ist ein entmutigender Gedanke, der auf falsche Pfade führt. Denn auch freundliche Menschen, die Skrupel zeigen und Rücksicht nehmen, können Karriere machen, ob in Politik oder Wirtschaft ist ganz egal. Dabei scheinen sie nicht einmal weniger Chancen zu haben als ihre bösartige Konkurrenz: Der amerikanische Persönlichkeitsforscher Cameron Anderson beobachtete mit seinem Team über 450 Personen jeweils zehn oder zwanzig Jahre lang, um schließlich zu genau diesem Ergebnis zu gelangen. Er definiert den typischen Fiesling als eine unverträgliche Person, die bei direkter Nachfrage sogar zugibt, kühl, distanziert und unhöflich zu sein.

Die Chefetagen sind gut durchmischt

An der University of California in Berkeley fertigte Cameron seine Studie an, die Publikation der Ergebnisse erfolgte nun im Fachblatt »PNAS«. Darin stellt er fest, dass natürlich auch rücksichtslose Egoisten eine große Karriere hinlegen können, aber sie sind statistisch betrachtet in den oberen Rängen nicht überproportional häufig vertreten. Angenehme und unangenehme Zeitgenossen teilen sich die Chefetagen, so seine Feststellung. Auch speziell bei Männern kommt es nicht darauf, sich rücksichtlos zu verhalten, um »nach oben« zu gelangen – jedenfalls fanden sich darauf keine Hinweise.


Allerdings kann sich die Persönlichkeit natürlich im Laufe der Jahre verändern, normalerweise nehmen Menschen mit den Jahren an Selbstbewusstsein und emotionaler Stabilität zu. Manche Personen entwickeln erst im Laufe des beruflichen Aufstiegs negative Charaktereigenschaften, sie werden mit der Zeit gefühlloser und gehen dazu über, andere Menschen zu benutzen. Doch um diese Entwicklung ging es in Camerons Studie nicht: Macht wird weder allein durch Bösartigkeit erlangt noch macht Macht zwingend böse.

Quelle: science.orf.at

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