Die NASA stellt ihre Strategie für Mond und Mars spürbar um. Statt zentrale Ressourcen weiter in die geplante Mond-Orbitalstation Gateway zu lenken, will die US-Raumfahrtbehörde den Aufbau einer Infrastruktur direkt auf der Mondoberfläche vorantreiben. Dahinter steckt nicht nur ein technischer Kurswechsel, sondern auch politischer und strategischer Druck: Die Konkurrenz mit China um die nächste bemannte Mondlandung und eine spätere Mondbasis nimmt zu, während Verzögerungen im Artemis-Programm und Probleme bei kommerziellen Partnern den Zeitplan immer wieder ausgebremst haben. Unter dem neuen NASA-Chef Jared Isaacman soll das Programm nun schneller, direkter und stärker auf praktische Fähigkeiten vor Ort ausgerichtet werden.


Weg vom Gateway, hin zur Mondoberfläche

Im Zentrum der neuen Pläne steht die Entscheidung, die Entwicklung des Lunar Gateway in seiner bisherigen Form auszusetzen. Die geplante Station im Mondorbit galt lange als wichtiger Knotenpunkt für spätere Mondmissionen. Nun verschiebt sich der Schwerpunkt jedoch auf Technik, die unmittelbar für dauerhafte Einsätze auf dem Mond gebraucht wird. Die NASA spricht von Infrastruktur, die langfristige Operationen auf der Oberfläche ermöglichen soll. Dazu gehören Systeme für Energieversorgung, Kommunikation, Mobilität und Versorgung.


Auch der Artemis-Zeitplan wird angepasst. Künftig soll möglichst jedes Jahr eine Artemis-Mission stattfinden, ergänzt durch zusätzliche Test- und Vorbereitungsflüge. Das Ziel ist, die Abstände zwischen einzelnen Missionen zu verkürzen und die Mondprogramme weniger von einzelnen Großprojekten abhängig zu machen. Isaacman formulierte den Anspruch auffallend deutlich: Die NASA wolle „noch vor Ende von Präsident Trumps Amtszeit zum Mond zurückkehren“. Der Wettlauf, so seine Botschaft, werde in Monaten entschieden, nicht in Jahren.

Drei Phasen auf dem Weg zur Mondbasis

Der Aufbau einer dauerhaften US-Präsenz auf dem Mond ist in drei Etappen gegliedert. Zunächst soll eine Reihe unbemannter Missionen den Boden bereiten. Kommerzielle Partner sollen in dichterem Takt Rover, Technologie-Demonstratoren, Generatoren und weitere Ausrüstung zum Mond bringen. Auch der bereits gestoppte Rover VIPER soll dabei wieder eine Rolle spielen. In dieser Phase geht es vor allem darum, Navigation, Kommunikation und Betriebstechnik unter realen Bedingungen zu erproben.

Darauf folgt eine zweite Phase mit wiederholten bemannten Landungen. Astronaut:innen sollen dann nicht mehr nur kurze Besuche absolvieren, sondern gezielt Voraussetzungen für eine spätere Basis schaffen. Dazu gehören Fahrzeuge mit erweiterten Lebenserhaltungssystemen, die größere Reichweiten und längere Aufenthalte ermöglichen. Erst in der dritten Phase soll daraus eine permanente Mondstation entstehen. Dann wären Landefähren mit hoher Nutzlast nötig, um größere Module, Habitate und weitere schwere Bauteile auf die Mondoberfläche zu transportieren. NASA-Vizeadministratorin Amit Kshatriya sprach von einer „phasenweisen Architektur“, die mit jeder Landung weiter ausgebaut werde.

Mars, Atomtechnik und neue Stationen im Erdorbit

Parallel dazu verfolgt die NASA auch für den Mars ehrgeizige Vorhaben. Bis Ende 2028 soll mit der Sonde Space Reactor-1 Freedom erstmals ein nuklear-elektrisch angetriebenes Raumfahrzeug zum Roten Planeten fliegen. Ein 20-Kilowatt-Reaktor soll dabei den elektrischen Antrieb mit Energie versorgen. Die Technik verspricht Vorteile bei langen Missionen und größeren Nutzlasten, ist aber umstritten, weil Fehlstarts oder Unfälle das Risiko radioaktiver Kontamination mit sich bringen. Kshatriya betonte dennoch das Potenzial dieses Antriebs für Transporte im tiefen All und für besonders energieintensive Missionen.

Auch der niedrige Erdorbit bleibt Teil der Neuordnung. Die ISS soll schrittweise in ein kommerziell geprägtes Stationsmodell überführt werden. Geplant ist zunächst ein staatlich finanziertes Kernmodul, an das später kommerzielle Elemente andocken. Aus diesen könnten sich langfristig eigenständige Raumstationen entwickeln. Insgesamt zeigt sich damit ein Strategiewechsel, der Mond, Mars und Erdorbit nicht mehr als getrennte Programme behandelt, sondern als Bausteine einer umfassenden Raumfahrtarchitektur.

 

via NASA

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