Daten können immer auf unterschiedliche Art und Weise interpretiert werden. Dies gilt auch für den Klimaschutz-Effekt der deutschen Wälder. So hat das Statistische Bundesamt dafür nun neue Zahlen vorgelegt. Diese betreffen das Jahr 2019. Demnach konnte die CO2-Speicherung im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesteigert werden. Und zwar um 30,6 Millionen Tonnen. Dies ist die positive Interpretation der Zahlen. Es gibt allerdings auch noch eine andere Sichtweise. Denn insgesamt lag der CO2-Ausstoß des Landes bei mehr als 800 Millionen Tonnen. Rein rechnerisch konnten die Wälder somit lediglich drei Prozent der neu entstandenen Emissionen aufnehmen. Weil es wohl eher unrealistisch ist, die Waldflächen hierzulande um mehr als das zwanzigfache auszuweiten, bedeutet dies: Die Emissionen müssen trotz des positiven Klimaeffekts durch die Wälder deutlich gesenkt werden. Dies ist in Deutschland auch politischer Konsens, lediglich über den Weg dorthin wird gestritten.


Foto: Forrest, Simon Gehrig, Flickr, CC BY-SA 2.0

Deutschland gehört zu den waldreichsten Nationen Europas

Ein Vergleich mit dem Vorjahr zeigt zudem, dass die CO2-Aufnahme der Wälder sogar zurückgegangen ist. Denn im Jahr 2018 wurden noch 44,3 Millionen Tonnen CO2 neu gebunden. Experten führen dies auf die grundsätzlichen Probleme der Wälder hierzulande zurück. So setzt die Trockenheit den Bäumen zu und macht sie anfällig für extreme Wettereignisse und Schädlinge. Trotzdem gehört Deutschland auch weiterhin zu den sechs waldreichsten Nationen in Europa. Tatsächlich konnten die Waldflächen im Vergleich zum Jahr 1992 sogar um zwei Prozent gesteigert werden – auf nun 10,7 Millionen Hektar. Dies entspricht rund dreißig Prozent der Landesfläche. Zukünftig könnten es sogar noch mehr werden. So sieht die neue EU-Waldstrategie vor, insgesamt drei Milliarden neue Bäume zu pflanzen und so den Beitrag zum Klimaschutz weiter zu erhöhen. In der Vergangenheit hat sich aber gezeigt, dass solche politisch verordneten Baumpflanzungen oftmals keinen dauerhaften Erfolg mit sich brachten.

Bäume sind nur ein kleiner Teil des natürlichen CO2-Speichers

Die waldreichen Länder innerhalb der EU haben sich daher bereits positioniert und fordern eine stärkere lokale Ausrichtung der Waldstrategie. Entschieden werden soll demzufolge soweit wie möglich mithilfe der vor Ort vorhandenen Expertise. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Position in den Verhandlungen durchsetzen lassen wird. Interessant an den neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist zudem, dass die Bäume nur für einen Teil der CO2-Speicherung verantwortlich sind. So sind in den deutschen Wäldern insgesamt inzwischen rund 11,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid gespeichert. Davon entfallen aber nur 28,9 Prozent auf stehende Hölzer. Deutlich wichtiger sind demnach die Waldböden, in denen 47 Prozent des Kohlenstoffs gebunden sind. Allerdings entfaltet sich hier natürlich auch eine Art Wechselwirkung. Denn ohne Bäume würde auch der Waldboden recht bald verschwinden. Weitere 16 Prozent der CO2-Emissionen sind in sonstigen Hölzern wie Sträuchern oder Büschen gebunden.


Via: Der Spiegel

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