Amerikanische Forscher haben in London einen kabellosen Mini-Herzschrittmacher vorgestellt, der gerade einmal so groß ist wie eine Tintenpatrone. Aufgrund der Eigenschaften ist es möglich das Geräte ohne Operation minimalinvasiv über die Leistenvene in die rechte Herzkammer zu schieben. Der elektrodenlose Herzschrittmacher könnte eine kleine Revolution darstellen. Das Fazit nach ersten Studien lautet, dass der neue Mini-Herzschrittmacher in Zukunft bei 30 Prozent der Patienten zum Einsatz kommen könnte, die einen Herzschrittmacher benötigen. Ärzte raten bisher jedoch davon ab, sich in diesem Stadium bereits den neuen Schrittmacher einsetzen zu lassen. Warum das so ist, erfahrt ihr im folgenden Beitrag.


Mini Herzschrittmacher

Neuer Mini-Herzschrittmacher mit Vor- und Nachteilen

Wie der Hersteller St. Jude Medical im Rahmen der Veröffentlichung der aktuellen Studie zu dem neuen Herzschrittmacher im Fachblatt „New England Journal of Medicine“ schreibt, ist das Gerät gerade einmal ein Zehntel so groß wie ein herkömmlicher Herzschrittmacher. Bisher müssen Chirurgen die konventionellen Herzschrittmacher, die aus einem Impulsgenerator und Stimulationselektroden bestehen, mit einem operativen Eingriff implantieren. Der neue Mini-Herzschrittmacher in Röhrenform kann hingegen als künstlicher Taktgeber direkt in das Herz verschoben werden.


Christopher Granger von der American Heart Association lobt den neuen Herzschrittmacher und nennt diesen eine Revolution. Die Organisation nahm jedoch nicht an den zurückliegenden Studien teil, die teilweise sogar aufgrund von Komplikationen abgebrochen werden mussten. Um Komplikationen in Zukunft weitestgehend vermeiden zu können müssen sich die Ärzte zunächst mit der neuen Technologie und der Anwendung vertraut machen. Besteht kein zwingender Grund, auf den Mini-Herzschrittmacher zurückgreifen zu müssen, raten versierte Experten bisher vom Einsatz ab. Bekräftigt wird das Ganze unter Berücksichtigung des Verlaufs vergangener Studien. So kam es Berichten zufolge zwei Mal zu Abbrüchen, da unerwartet viele Komplikationen auftraten. Bei einem der beiden Fälle blieb der Mini-Herzschrittmacher in der Lungenaterie hängen und erreichte das Ziel der rechten Herzkammer nicht. Darüber hinaus kam es bei sieben Prozent der Probanden ein halbes Jahr nach dem Eingriff zu Nebenwirkungen, die unter anderem durch Herzperforation herbeigeführt wurden. Dabei handelt es sich um Mikro-Verletzungen im Herzgewebe. Die Zahl ist jedoch unter Berücksichtigung der 500 Studienteilnehmer aus Kanada, Australien und den USA im Vergleich zu den Nebenwirkungen beim Einsatz herkömmlicher Herzschrittmacher nicht bedenklich. Hier weisen im Schnitt knapp zehn Prozent der Patienten Spätfolgen nach dem Eingriff auf.

Zulassung durch die FDA steht noch aus

Der neue elektrodenlose Schrittmacher erhielt für Europa bereits eine Zulassung. In den USA liegen die Studien der FDA vor. Die Behörde entscheidet ebenfalls in Kürze über eine Freigabe. Der Schrittmacher kommt bereits in einigen Krankenhäusern zum Einsatz. Der Präsident der Spanischen Kardiologie-Gesellschaft, José Ramon, berichtet, dass im letzten Jahr lediglich ein Dutzend der Patienten den neuen Mini-Schrittmachern eingesetzt bekamen, während mehr als 500 den herkömmlichen Schrittmacher bevorzugten. Das liegt zum einen daran, dass das Verfahren noch recht neu ist und hier mehr Vertrautheit im Umgang mit der Technologie erst kommen muss. Zum anderen ist der Mini-Herzschrittmacher auch von den Funktionen her abgespeckt. So können die Patienten beispielsweise nicht per Telemonitoring aus der Ferne überwacht werden. Für Untersuchungen und Auswertungen müssen diese also stets das Krankenhaus aufsuchen.

Wie der leitende Prüfazt Vivek Reddy festhält, wird die FDA der Zulassung mit Sicherheit stattgeben. Zudem sieht er auch eine Zukunft für den Schrittmacher. Der Chefarzt der Elektrophysiologie am Mount Sinai Hospital in New York ist fest davon überzeugt, dass der neue Schrittmacher bei 30 Prozent der Patienten eingesetzt werden kann, die einen Schrittmacher benötigen. Es liegt dann jedoch an den jeweiligen behandelnden Ärzten die Patienten über das neue Gerät näher zu bringen und über die Vor- und auch Nachteile aufzuklären. Ein Großteil würde sich dem Experten zufolge nach dem Gespräch für den Mini-Herzschrittmacher entscheiden.

Mini-Herzschrittmacher im Video

Entwicklungen gehen voran

Das Gerät an sich ist in der Tat eine technologische Meisterleistung. So dürften auch Kinder und Föten in Zukunft von dem kleinen Schrittmacher profitieren. Im März haben wir über einen Schrittmacher berichtet, der so klein ist, dass dieser auch erstmals bei Föten mit einer Herzschwäche eingesetzt werden könne. Im Juni gelang es zudem Ärzten aus Deutschland einem 82 Jährigen den kleinsten Herzschrittmacher der Welt zu implantieren. Aufgrund der geringen Größe verlief der Eingriff auch komplikationsloser, zudem konnte sich der Mann wesentlich schneller von der OP erholen.

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