Schmerzmittel sind in der modernen Medizin unverzichtbar. Zu den potentesten gehört die Gruppe der Opioide. Diese Wirkstoffe machen allerdings auch relativ schnell süchtig. Das ist in den USA ein größeres Problem als in Europa, aber auch wir haben Probleme mit Opioid-Abhängigkeiten. Ein neues Schmerzmittel könnte das nun ändern. Es wirkt so gut wie Opiode, macht aber nicht süchtig.


Auf der Suche nach Opioid-Alternativen

Chronische Schmerzen begleiten Millionen Menschen weltweit im Alltag. Viele müssen zu Opioiden greifen, Derivaten des Opiums, um diese zu lindern. Dabei treten neben der Abhängigkeit auch Gewöhnungseffekte auf, die die Wirkung des Schmerzmittels abschwächen. In höheren Dosen wirken Opiode zudem atemlähmend und können auf Dauer sogar zu Überempfindlichkeiten für Schmerzen führen.


Weltweit wird daher nach Alternativen gesucht. Und womöglich wurde nun eine gefunden, und zwar von Forschern der Wake Forest School of Medicine. Ein Team um Huiping Ding hat gezielt nach Molekülen gesucht, die neben dem gleichen Rezeptor wie Opioide auch an einem weiteren Rezeptor namens Nociceptin-Rezeptor andocken. „ Moleküle, die am Nociceptin-Rezeptor andocken, verstärken die schmerzstillende Wirkung des Mu-Rezeptors auf der Ebene des Rückenmarks und Gehirns. Sie erzeugen aber nicht die Atemlähmung und Abhängigkeiten anderer Wirkstoffe„, erklärten die Forscher.

199 Mal potenter als Morphium

Bei ihrer Suche ließen die Forscher sich von einem Computer-Programm unterstützen, das Moleküle auf ihre Bindung mit dem Nociceptin-Rezeptor hin untersuchten. Bei einem Molekül mit dem Namen AT-121 wurden sie fündig. Das Molekül aktiviert die Signalkette der Nociceptin-Rezeptoren bereits in niedrigen Dosen. Getestet haben die Forscher dies im Anschluss an Rhesusaffen, die verschiedene Dosen AT-121 erhielten und im Anschluss Schmerztests durchliefen.

Das Ergebnis bestätigte die Ergebnisse der Simulation: Bereits in geringen Dosen hemmte AT-121 das Schmerzempfinden der Affen genauso wie ein klassisches Oipoid. In höheren Dosen kann der Wirkstoff 199 Mal potenter als Morphium sein. Bereits Dosen von 0,01 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht reichten aus, um die Schmerzen der Affen zu blockieren. Zum Vergleich: Bei Morphium tritt die gleiche Wirkung ab einem Gramm pro Kilogramm ein.

In Vergleichsversuchen mit Opioiden konnten die Forscher bei AT-121 zudem kein Suchtpotential feststellen. Und selbst bei 10-facher Dosis zeigten die Tiere keine der für Opioide typischen Nebenwirkungen wie Atemlähmungen oder Herz-Kreislauf-Komplikationen. Auch motorische Einschränkungen konnten nicht beobachtet werden.

Klinische Studien sind geplant

Auf Basis der bisherigen Versuche gehen die Forscher davon aus, mit AT-121 und verwandten Wirkstoffen eine Alternative zu klassischen Oioiden gefunden zu haben. Sie sehen es nicht als unwahrscheinlich an, dass das Molekül bei Menschen die selben Wirkungen wie bei den Affen zeigen wird. „Die Tatsache, dass diese Ergebnisse mit nichtmenschlichen Primaten erzielt wurden ist von großer Bedeutung. Es zeigt, dass Verbindungen wie AT-121 das Potenzial haben, auch beim Menschen effektiv als Alternative zu gängigen Opioid-Schmerzmitteln zu wirken„, so Mei-Chuan Ko, der an der Studie beteiligt war. Ob sich dies bestätigt, werden klinische Studien zeigen müssen.

via New Atlas

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