In den Weltmeeren schwimmen rund 400.000 Tonnen Plastikmüll. Das niederländische Unternehmen The Ocean Cleanup will den Bergen mit 600 Meter langen schwimmenden Barrieren zu Leibe rücken, in denen sich die Abfälle sammeln. Per Schiff sollen sie dann an Land gebracht werden. Doch selbst wenn die Niederländern 200 Barrieren einsetzen würden, könnte sie allenfalls 44.900 Tonnen bergen – wenn alle 130 Jahre lang pausenlos im Einsatz wären. Das hat Agostino Merico ausgerechnet, Forscher am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen sowie Professor für Ökologische Modellierung an der Jacobs University Bremen. Das sind gerade mal gut zehn Prozent, und noch weniger, wenn sich Prognosen bewahrheiten, dass 2052 860.000 Tonnen Plastikmüll die Meere gefährden.


Plastikmüll sammeln birgt sogar Gefahren


„Wir müssen dringend überdenken, wie wir Plastik produzieren, konsumieren und entsorgen und wie wir nachhaltige Alternativen vorantreiben können“, sagt Merico, der die Untersuchung gemeinsam mit Sönke Hohn vom ZMT durchführte. Das Sammelprogramm könne sogar gefährlich werden, meint Merico. „Indem sie (die Niederländer) den Eindruck erwecken, dass sie eine effektive Lösung für das Problem des Kunststoffs in unseren Ozeanen haben, können diese Technologien eine Rechtfertigung für eine weitere Verschmutzung der Umwelt liefern.“

Vor allem Mikroplastik bereitet Sorgen. Derzeit sind es 69.000 Tonnen. Es reichert sich in Tieren an, die im Meer leben und enthält teilweise Giftstoffe. Über Speisefische landeten sie auf unseren Tellern, so Merico. Barrieren und Müllsammelschiffe können ausgerechnet diesen Teil der Plastikabfälle nicht einfangen.

Forscher fordert Einstellung der Kunststoffproduktion

Sorge bereitet den Forschern auch das Schicksal des Plastikmülls, der an Land gebracht wird. Er lässt sich kaum recyceln, weil er oft von Mikroorganismen überwuchert ist. Außerdem wäre der Sortieraufwand sehr hoch. Man könne ihn verbrennen oder deponieren. Doch bei Lösung eins gelangen große Mengen an Kohlendioxid in die Atmosphäre, bei Lösung zwei können Boden oder Grundwasser verunreinigt werden.

Es gebe nur eine Lösung: „Wir müssen die Produktion von Kunststoffen einstellen und alternative, nachhaltigere Lösungen wie die Verwendung biologisch abbaubarer Materialien fördern“, so der Meereswissenschaftler.

via Leibniz Gemeinschaft

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