Die Salomonen gehören zu den wirtschaftlich ärmsten Staaten in Ozeanien. Eine eigene Industrie gibt es nicht. Stattdessen werden vor allem Rohstoffe exportiert. Das wichtigste Ausfuhrgut ist Holz. Auf den ersten Blick scheint dies nicht besonders problematisch zu sein. Immerhin sind 78,1 Prozent der Inselflächen bewaldet. Damit liegt das Land auf Platz neun der am stärksten bewaldeten Länder weltweit. Das Problem allerdings: Es werden deutlich mehr Bäume gefällt als nachwachsen können. So wurde vor einigen Jahren berechnet, dass jährlich 325.000 Kubikmeter Holz auf nachhaltige Art und Weise exportiert werden können. Tatsächlich wurden aber beispielsweise im Jahr 2017 mehr als drei Millionen Kubikmeter auf dem Weltmarkt verkauft. Man muss kein Mathematiker sein, um zu erkennen, dass dies auf Dauer nicht gut gehen kann. Tatsächlich hat der Staat alleine seit dem Jahr 2000 rund sieben Prozent seiner Waldfläche verloren.


Bild: Jim Lounsbury, Copyrighted free use, via Wikimedia Commons

Holz ist das wichtigste Exportgut der Salomonen

Berechnungen des Finanzministeriums gehen davon aus, dass – wenn so weiter gefällt wird wie bisher – schon im Jahr 2036 keine natürlichen Wälder mehr vorhanden sein werden. Dies ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite sorgt der Holzverkauf aber auch für wichtige Einnahmen. So wurden im Jahr 2019 mehr als zwei Millionen Tonnen Holz ausgeführt – was sechzig Prozent aller Exporte entsprach. Die dadurch generierten Einnahmen wurden unter anderem in Schulen und das Gesundheitssystem investiert. Kritiker verweisen allerdings schon seit längerem darauf, dass die Holzfirmen teilweise unrealistisch niedrige Profite ausweisen – und dementsprechend wenig Steuern zahlen. Auch so ist es aus Sicht der Regierung aber nicht so einfach möglich, den Holzexport zu stoppen oder zumindest stark einzuschränken. Der Umweltschützer Dr. Edgar Pollard spricht daher auch von einer Droge, die das Land benötigt – die aber eben auch Schaden anrichtet.

Nachhaltiges Holz bringt nicht mehr Geld ein

Die Salomonen sind zudem keineswegs ein Einzelfall. Auch im benachbarten Papua-Neuguinea existiert eine ähnliche Problemstellung. Ganz unschuldig daran sind allerdings auch die Endkunden auf dem Weltmarkt nicht. Denn auch auf den Pazifikinseln gibt es Firmen, die auf eine nachhaltige Forstwirtschaft setzen und entsprechend zertifiziert wurden. Allerdings bringt dies – anders als etwa bei der Bio-Landwirtschaft – keine wirtschaftlichen Vorteile mit sich. Für Holz, das mit dem FSC-Goldstandard in Sachen Nachhaltigkeit ausgezeichnet wurde, erhält man auf dem Weltmarkt nicht mehr Geld als für Holz ohne das Siegel. Dies wiederum hängt damit zusammen, dass das nachhaltige Holz beim Endkunden nicht speziell vermarktet wird – und daher auch keine höheren Preise durchgesetzt werden können. Das Problem des bedenklichen Holzexports auf den Pazifikinsel ist also durchaus vielschichtig. Einfache Lösungen gibt es nicht. Klar ist aber auch: Auf Dauer kann es nicht so weiter gehen wie bisher.


Via: The Guardian

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