Wolfgang Viöl, Professor am Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik (IST) in Braunschweig, hat einen taschenlampengroßen Stick entwickelt, der kaltes Plasma erzeugt und in Zukunft zur einer schnelleren und hygienischeren Wundheilung beitragen soll. PlasmaDerm wurde das Gerät getauft, das unmittelbar über der Haut desinfizierendes Plasma bildet. Eine im klinischen Bereich eingesetzte Version eines solchen Geräts existiert bereits. Für den Alltag ist das Gerät aufgrund der Größe jedoch unpraktisch. Viöl hat in der Folge also ein kleineres aber ebenso effektives Gerät entwickelt.


Plasmaderm
Plasmaderm im Einsatz Bildquelle: Frauenhofer

Kaltes Plasma desinfiziert und regt die Wundheilung an

Viöl hat den PlasmaDerm-Stick gemeinsam mit dem Plasmaspezialisten Cinogy aus Duderstadt und Medizinern aus Göttingen entwickelt. Die Medizintechniklösung ist aktuellen Studien zufolge wirkungsvoller als UV-, Ozon- und Elektrotherapien. Wie bereits das größere und schon im klinischen Einsatz befindliche Gerät auch, erzeugt das handlichere PlasmaDerm kaltes Plasma auf der Haut. Es handelt sich bei Plasma um ein Gemisch aus Ionen, welches in einem elektrischen Feld zwischen zwei Elektroden entsteht. Bei dem PlasmaDerm bildet sich das Plasma zwischen dem Gerät und der Haut. Während des Prozesses wird die Umgebungsluft (Gemisch aus Sauer-, Stickstoff und Kohlendioxid) ionisiert.

Professor Steffen Emmert von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsmedizin Göttingen konnte im Rahmen einer Studie nachweisen, dass die Versorgung mit kaltem Plasma eine antiseptische (keimreduzierende und -bekämpfende) Wirkung herbeiführte. Zudem konnte auch die Wundheilung deutlich besser angeregt werden. Im Vergleich zu konventionellen Methoden, wird bei dem Einsatz von nicht thermischem Plasma eine bessere Heilung in kürzerer Zeit erreicht.


PlasmaDerm im Video

Empfindung und Einsatzspektrum in Zukunft

Den Wissenschaftlern zufolge spürt der Patient bei der Anwendung nur ein leichtes Kribbeln. Dabei wird PlasmaDerm in einem geringen Abstand über die Wunde geführt und als lilafarbener Nebel sichtbar. Das kalte Plamsa tötet sämtliche Keime ab. Bei diesem Prozess wird gänzlich auf beißende antiseptische Lösungen verzichtet. Folglich eignet sich die Anwendung vor allem auch bei Kindern, die bekanntlich schmerzempfindlicher sind und auch mehr Angst vor Schmerzen haben, ziemlich gut. So wird das Ausspülen und Abtupfen von Schürfwunden schon als Nervenaufreibend empfunden.

Der handliche PlasmaDerm-Stick könnte jedoch auch bei diversen Hautkrankheiten, wie etwa Neurodermitis zum Einsatz kommen und Linderungen effizienter herbei führen. Die Experten nennen zudem auch Anwendungsmöglichkeiten beim sogenannten „offenen Bein“, das vorwiegend durch Krampfadern gebildet wird.

Mit der PlasmaDerm-Technologie gelangt erneut ein Stück Science-Fiktion in die reale Welt. Schließlich wurden schon bei Star Trek die Wunden mit Plasma geheilt.

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