Der Kampf gegen die Rindertuberkulose treibt in Großbritannien teilweise kuriose Blüten. So musste erst kürzlich das Alpaka Geronimo eingeschläfert werden, um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen. Weil die Besitzerin mit dieser Entscheidung nicht einverstanden war, landete die Sache sogar vor Gericht. Dort stellten die Richter klar: Geronimo muss eingeschläfert werden. Nun gehen die Behörden noch einen deutlichen Schritt weiter: Sie wollen landesweit die Dachspopulation um siebzig Prozent reduzieren. Insgesamt sollen somit 76.000 Dachse gekeult werden. Ganz neu ist dieser Ansatz nicht. Denn schon seit dem Jahr 2013 werden spezielle Lizenzen an Jäger erteilt, um die eigentlich geschützten Tiere zu jagen. Eigentlich sollte dieses Vorgehen allerdings im nächsten Jahr beendet werden. Die weitere voranschreitende Ausbreitung der Rindertuberkulose scheint die Regierung nun aber zu einem Kurswechsel bewogen zu haben. Insgesamt gibt es somit in Großbritannien nun vierzig Regionen, in denen die Dachse offiziell gejagt werden dürfen.


Bild: BadgerHero, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Umweltschützer bezweifeln die Wirksamkeit der Maßnahme

Der Hintergrund: Die Tiere können die Rindertuberkulose auf Nutztiere übertragen. Dies wiederum bringt nicht unerhebliche Kosten mit sich. So schätzt die Regierung die Kosten der Schutzmaßnahmen auf rund 100 Millionen Pfund pro Jahr. Ein Großteil davon fällt an, wenn Nutztiere getötet werden müssen, um mögliche Infektionsketten zu durchbrechen. Ob die vorsorgliche Tötung von Dachsen allerdings tatsächlich hilft, die Ausbreitung der Rindertuberkulose zu stoppen, ist umstritten. Viele Umweltschutzorganisationen bezweifeln dies und kritisieren folgerichtig die Maßnahmen der Regierung scharf. Weil nie zuvor Dachse in einer solch großen Zahl getötet wurden, fehlt es bisher schlicht an empirischen Daten, um diese Frage zu klären. Die Aktion erinnert aber ein wenig, an eine Maßnahme der dänischen Regierung aus dem vergangenen Jahr. Damals wurden in dem skandinavischen Land mehr als zehn Millionen Nerze gekeult, um die Ausbreitung einer Corona-Mutation zu stoppen. Auch hier ist noch umstritten, ob die Aktion erfolgreich und angemessen war.

In Deutschland besteht ein Impf- und Behandlungsverbot

Zumindest scheint man sich in Großbritannien aber bewusst zu sein, dass die Tötung von eigentlich unter Schutz stehenden Tieren langfristig keine Lösung sein kann. Deshalb wird auf die Hilfe der Pharmaforschung gesetzt. So wird aktuell an einem Impfstoff für die Tiere geforscht. Dieser befindet sich allerdings noch in der Erprobungsphase. Ein flächendeckender Einsatz dürfte frühestens im Jahr 2025 realistisch sein. Der Einsatz ist zudem nicht unumstritten. Denn dadurch besteht die Gefahr, dass infizierte Tiere ohne Symptome die Krankheit unbemerkt weiterverbreiten. In Deutschland existiert daher ein Impf- und Behandlungsverbot. Bis zur Fertigstellung des Impfstoffes könnte in Großbritannien eine weiteres aus dem Kampf gegen die Corona-Pandemie bekanntes Hilfsmittel zum Einsatz kommen: Es wird an genaueren und schnelleren Tests gearbeitet. Im Idealfall könnten Ausbrüche so früher erkannt und gestoppt werden. Dies würde die Kosten der Schutzmaßnahmen zumindest ein wenig reduzieren.


Via: Der Spiegel

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