Binnenschiffe steuern vergleichsweise häufig einen Hafen an, wo Container ab- und wieder aufgeladen werden. Bisher erfolgt der Antrieb auf den Flüssen mithilfe von gewaltigen Dieselmotoren. Für die Umwelt- und Klimabilanz des Warentransports ist dies nicht besonders vorteilhaft. In einigen skandinavischen Ländern wird daher inzwischen mit Elektroschiffen experimentiert. Ähnliches gilt auch für Fähren – wovon es unter anderem in Taiwan ein sehr erfolgreiches Beispiel gibt. Allerdings gibt es dabei einen entscheidenden Nachteil: Der Ladevorgang dauert – ähnlich wie auch bei Elektroautos – vergleichsweise lang. In einer Branche, in der Zeit oftmals noch immer Geld ist, animiert dies nicht gerade zu einer Umrüstung. Das niederländische Unternehmen ZES – die Abkürzung steht für „Zero Emission Services“ – hat nun eine Lösung für das Problem entwickelt: Schiffscontainer, in die riesige Akkus integriert sind.


Bild: Joris / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Schneller Akkuwechsel statt langer Ladezeiten

Bei den teilnehmenden Schiffen werden zunächst die schweren Dieselmotoren durch einen Elektroantrieb ersetzt. Fahren können sie dann allerdings erst, wenn ein oder mehrere Batteriecontainer auf das Deck verladen wurden. Anschließend werden diese ganz einfach per Kabel mit dem Schiff verbunden und sorgen für die nötige Energie. Bei jedem Zwischenstopp im Hafen werden leere Container dann einfach gegen neue und volle getauscht. Der Trick: Es handelt sich um klassische Schiffscontainer, die bis oben hin mit Akkuzellen befüllt sind. Sie liefern also auf der einen Seite vergleichsweise viel Energie. Gleichzeitig können sie aber auch schnell und innerhalb der bereits vorhandenen Prozesse verladen werden. Werden zwei der Batteriecontainer auf ein Schiff verladen, liegt die Reichweite bei fünfzig bis einhundert Kilometern. Die vergleichsweise große Spanne kommt zustande, weil Binnenschiffe unterschiedlich viel Antriebskraft benötigen, je nach dem ob sie Flussauf- oder Flussabwärts fahren.

Hinter dem Projekt stehen zahlungskräftige Unternehmen

Ein erster Kunde für das Projekt wurde auch schon gefunden. Die Heineken Brauerei wird noch dieses Jahr ein entsprechendes Elektroschiff in Betrieb nehmen. Damit wird dann Bier aus der Brauerei in Zoeterwoude zum Hafen Hafen in Moerdijk transportiert. Das Konzept ist zudem langfristig angelegt: Heineken hat sich verpflichtet, die Strecke für mindestens zehn Jahre elektrisch zu bedienen. Damit soll die Brauerei nicht alleine bleiben. Aktuellen Planungen zufolge sollen bereits im Jahr 2030 rund 150 Elektro-Binnenschiffe in den Niederlanden unterwegs sein. Bis dahin muss allerdings zunächst etwas Geld investiert werden. Denn ein Batterie-Tauschcontainer kostet jeweils rund eine Million Euro. Da trifft es sich gut, dass hinter ZES mit der Bank ING, dem Energieversorger Engie, dem Motoren- und Anlagenhersteller Wärtsilä sowie dem Hafen Rotterdam sehr zahlungskräftige Unternehmen stehen. Gemeinsam wollen die Firmen den benötigten langen Atem aufbringen, um die Elektrifizierung der Binnenschifffahrt zu realisieren.


Via: FAZ

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