Eine fleischfreie Ernährung liegt voll im Trend: In Deutschland ernähren sich geschätzt bis zu 10 Prozent aller Menschen vegetarisch oder vegan – und die Tendenz geht nach oben. Dem Verzicht auf Fleisch werden viele positive Eigenschaften zugeschrieben. Forscher des Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig wollten untersuchen, ob es spezifische Merkmale gibt, die Vegetarier und Veganer von Fleischessern unterscheiden.


Auswirkungen von Fleischverzicht sind schwer zu untersuchen

Neben der Verringerung des Tierleids, dem Schonen von Ressourcen und der Klimafreundlichkeit wird fleischloser Ernährung als gesundheitsfördernd angesehen: Sie soll unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen und den körperlichen Gesamtzustand verbessern.


Bei der Ernährung spielen allerdings derart viele Faktoren eine Rolle, dass derartige Behauptungen nur schwer zu überprüfen sind. In der Regel stellen vor allem grundsätzlich schon sportliche, gesundheitsbewusste und gebildete Menschen ihre Ernährung auf den Verzicht von Fleisch um – alles Faktoren, die die Lebensweise und somit den Gesundheitszustand grundsätzlich schon beeinflussen.

Drei Hypothesen zum Fleischverzicht

Ein Team rund um Evelyn Medawar vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig wollte die Auswirkungen von Fleischverzicht auf die Gesundheit untersuchen. Zu diesem Zweck stellten die Forscher drei Hypothesen zu vermeintlichen Unterschieden zwischen Vegetariern und Fleischessern auf, die dann in einer großangelegten Studie untersucht wurden. Zu diesen Annahmen gehörte unter anderem, dass Vegetarier durchschnittlich schlanker sind, sich in ihrem Persönlichkeitstyp unterscheiden und eher zu Depressionen neigen.

Für die Studie wurden etwa 9000 Probanden in Leipzig über einen Zeitraum von drei Jahren zu ihrer Ernährung und ihrem Konsum von Fleisch und tierischen Produkten befragt. Außerdem wurden sie mit standardisierten Tests bezüglich Persönlichkeitsmerkmale und Depressionsneigung untersucht. Auch der Body-Mass-Index der Probanden wurde ermittelt.

Vegetarier sind schlanker

Die Ergebnisse bestätigten die Hypothese, dass Menschen, die ganz auf Fleisch und tierische Produkte verzichten oder den Konsum zumindest herunterfahren tatsächlich tendenziell schlanker sind. Und zwar unabhängig von Alter, Bildungsstand oder Geschlecht. Der Unterschied war zwar nicht massiv, aber dennoch signifikant.

Dass eine Person einen 1,2 Punkte niedrigeren BMI hatte, bedeutete im Durchschnitt, dass sie auf bestimmte tierische Produkte ganz verzichtete und sich vegetarisch ernährte. Oder dass sie zwar auch weiterhin Fleisch und Fisch aß, diese dafür aber insgesamt seltener„, so Medawar. Bei einer 1,75 m großen Person könnte eine fleischfreie Ernährung damit einen Unterschied von 4 Kilogramm ausmachen.

Dabei mache es aber auch einen Unterschied, welche tierischen Produkte auf dem Speiseplan stehen. Personen, die vorwiegend primäre tierische Produkte wie Fleisch, Wurst und Fisch konsumieren, hatten einen durchschnittlich höheren BMI als solche, die vorwiegend sekundäre Tierprodukte wie Milch, Eier, Käse und Butter essen.

Als Erklärung greifen die Forscher darauf zurück, dass Fleischesser häufiger auf stark verarbeitete Lebensmittel wie Wurst und Fertigprodukte zurückgreifen. „ Dick machen vor allem übermäßig fett- und zuckerreiche Produkte. Verzichtet man auf tierische Nahrungsmittel, nimmt man im Schnitt weniger solcher stark verarbeiteten Produkte zu sich„, erklärt Medawar weiter.

Persönlichkeit: Introvertiert, aber keine erhöhte Depressionsneigung

Bezüglich der Persönlichkeitsmerkmale kamen die Forscher zu dem Schluss, dass Vegetarier tendenziell introvertierter sind als Fleischesser. „ Woran das liegt, ist schwer zu sagen. Es könnte daran liegen, dass introvertiertere Personen eher zu restriktiverem Essverhalten neigen oder sich aufgrund ihres Essverhaltens stärker sozial abgrenzen“, so Medawars Kollegin Veronica Witte. Einen Zusammenhang zwischen Vegetarismus und em Persönlichkeitsmerkmal des Neurotizismus fanden die Forscher entgegen ihren auf früheren Untersuchungen basierten Erwartungen jedoch nicht.

Auch in Sachen Depressionsneigung konnten die Forscher Entwarnung geben. Frühere Analysen ergaben einen Zusammenhang zwischen der Neigung zu Depressionen und fleischloser Ernährung. „ Auch das konnten wir nicht erkennen. Möglicherweise haben in früheren Analysen andere Faktoren die Ergebnisse verwischt, darunter der BMI oder auffällige Persönlichkeitsmerkmale, die bekanntermaßen mit Depressionswerten zusammenhängen können. Die rechneten wir heraus„, erklärt Witte.

Die Ergebnisse der Forscher legten somit durchaus nahe, dass ein kompletter oder teilweiser Verzicht auf Fleisch in der Ernährung dabei helfen kann, schlank zu bleiben oder zu werden. Gleichzeitig scheint die Bereitschaft zur Umstellung der Ernährung mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen einherzugehen. Die Forscher betonen aber, dass weitere Untersuchungen nötig sind.

via Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

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