Im Jahr 2018 wurden in China rund 1,26 Millionen Elektroautos verkauft – mehr als im Rest der Welt zusammen. Dieser Boom entstand allerdings keineswegs nur durch die Liebe der Chinesen zum Elektroantrieb. Vielmehr wurden die Verkaufszahlen auch durch staatliche Subventionen in die Höhe getrieben. So gab es für Käufer unter anderem eine Prämie in Höhe von bis zu 8.000 Euro pro Fahrzeug. Außerdem wurden die Besitzer von Elektroautos bei der Zuteilung von Nummernschildern bevorzugt und durften eigene Fahrspuren und Parkplätze nutzen. Auf der anderen Seite wurden auch die Hersteller mit massiven Geldzahlungen zum Bau von Elektroautos bewogen. Doch seit Mitte des Jahres 2019 laufen diese Subventionen nach und nach aus. Ende 2020 sollen die letzten entsprechenden Maßnahmen enden.


Flagge China
Foto: Alexander Trisko

Deutsche Autobauer haben massiv in China investiert

Schaut man auf die Verkaufszahlen in China werden die Auswirkungen der veränderten Subventionspolitik bereits deutlich. So wurden im November 2019 44 Prozent weniger Elektroautos verkauft als im Vorjahresmonat. Einige Beobachter sehen darin bereits eine Trendwende: Setzt Chinas Führung zukünftig auf Fahrzeuge mit Brennstoffzelle anstelle der reinen Elektroautos? Dies würde insbesondere die deutschen Autobauer vor große Probleme stellen. Denn diese haben erst kürzlich massiv in den Aufbau von Produktionskapazitäten für klassische E-Autos investiert. Experten verweisen allerdings auf zwei Punkte, die dafür sprechen, dass Elektroautos auch zukünftig in China eine wichtige Rolle spielen werden. So laufen zum einen auch die Subventionen für die Wasserstoff-Technologie Ende nächsten Jahres aus.

Andere Branchen könnten als Vorbild dienen

Zum anderen hat die chinesische Führung feste Quoten für die Produktion von Elektroautos etabliert. Schon dieses Jahr muss jeder Hersteller 12 Prozent seiner Flotte mit einem Elektroantrieb ausstatten. In den nächsten Jahren wird sich die Vorgabe zudem weiter erhöhen. Damit scheint sich die Geschichte anderer Branchen zu wiederholen. Denn schon in der Solar- und LED-Branche setzte die chinesische Regierung zunächst auf massive Subventionen, um Kapital und Expertise anzulocken. Als die Unternehmen im eigenen Land dann über ausreichend Erfahrung verfügten, wurde die staatliche Unterstützung zurückgefahren und es setzte ein harter Verdrängungswettbewerb ein. Am Ende dieses Prozesses waren schließlich chinesische Firmen entstanden, die auch auf dem Weltmarkt bestehen konnten.


Der Verdrängungswettbewerb könnte hart werden

Ein solcher Verlauf würde auch den grundsätzlichen Planungen der chinesischen Führung entsprechen. Denn diese versuchte zunächst einige Jahre lang erfolglos, auch beim Bau von Autos mit Verbrennungsmotor eine wichtige Rolle einzunehmen. In diesem Bereich war der technologische Vorsprung von Herstellern aus Europa, den USA, Japan und Südkorea aber schlicht zu groß. Auch deshalb wurden massive Subventionen in den E-Auto-Markt gelenkt, weil hier alle Autobauer erst noch Expertise aufbauen mussten. Abzuwarten bleibt allerdings noch, ob sich auf einem Markt ohne staatliche Subventionen dann auch tatsächlich die chinesischen Hersteller durchsetzen werden. Diese haben in den letzten Jahren zwar einiges an Expertise aufgebaut. Kampflos werden die etablierten Autobauer das Feld aber nicht räumen.

Via: Spiegel

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