Klebeband hat ein Grundproblem: Es soll fest haften, solange man es braucht, und danach spurlos verschwinden. In der Praxis passiert oft das Gegenteil. Klebstoffreste machen Kartons unbrauchbar für die Wiederverwertung, und wer ein Etikett ablöst, reisst meist unregelmässige Streifen ab statt einer glatten Fläche. Chemiker:innen der Virginia Tech haben nun zwei neue Klebstoffe entwickelt, die dieses Dilemma lösen sollen. Beide Teams bauen den Abbau direkt in die Molekülstruktur ein, statt ihn nachträglich zu erzwingen.


Bild: Virginia Tech

Ein Klebeband aus einem einzigen Material

Josh Worch und seine Doktorandin Regina Ham setzen auf Liponsäure, eine schwefelhaltige Verbindung, die natürlich in Brokkoli und Spinat vorkommt. Daraus stellen sie grosse, von Natur aus klebrige Polymere her und passen die Säuremenge präzise an, um Haftung und innere Festigkeit auszubalancieren. Das Ergebnis übertrifft handelsübliches Klebeband in der Haftkraft. Der entscheidende Vorteil: Trägerschicht und Klebstoff bestehen aus chemisch verwandtem Material. Eine milde Reaktion spaltet beide Schichten innerhalb weniger Stunden in ihre Ausgangsstoffe auf, aus denen sich neues Klebeband herstellen lässt.

Viermal stärker, aber mit Ausschalter

Ein zweites Team um John Matson verfolgt einen anderen Weg. Clark Vu und Isaac Addo entwickelten ein Bottlebrush-Polymer: ein zentrales Rückgrat mit Seitenketten, die wie die Borsten einer Flaschenbürste abstehen. Aus einem zähflüssigen Öl und einem Gas entstand eine transparente, formbare Masse, die als Klebeband viermal stärker haftete als schweres Industrie-Klebeband. Beim Tauziehen zwischen Lehrenden und Studierenden riss das Seil, bevor sich der Klebstoff löste. Mildes alkalisches Wasser baut das Material danach innerhalb von Minuten ab. Anders als bei der Liponsäure-Variante lassen sich die Bestandteile bisher aber nicht vollständig zurückgewinnen.


Zwei Teams, ein gemeinsames Ziel

Beide Gruppen tauschen sich mittlerweile aus, um die stärkere, abbaubare Klebstoffmischung mit einer vollständig recycelbaren Trägerschicht zu kombinieren. Ein marktreifes Produkt gibt es noch nicht. Die Ergebnisse erschienen in den Fachjournalen Advanced Functional Materials und Angewandte Chemie International Edition. Worch sieht Anwendungen in der Verpackungsindustrie, etwa bei Kartonklebeband und ablösbaren Etiketten, aber auch als biomedizinischen Klebstoff, da Liponsäure als körpereigenes Molekül gilt.

via Virginia Tech

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