Vor allem Medikamente, die Krebszellen zerstören, haben oft schwere Nebenwirkungen. Weil sie sich nicht präzise platzieren lassen zerstören sie außer dem Tumor auch gesunde Körperzellen. In Zukunft können sie an den Wirkort gebracht werden, ohne auf dem Weg dahin Schaden anzurichten. Forscher des DWI – Leibniz-Institut für Interaktive Materialien, das an der Technischen Hochschule Aachen angesiedelt ist, verpacken die Medikamente in winzigen Mengen in Moleküle, die sich im Körper neutral verhalten. Am Ziel angekommen traktieren die DWI-Forscher es von Außen mit Ultraschall. Dessen Schwingungskräfte zerstören die Hülle, sodass das Medikament frei wird und die Tumorzelle vor Ort zerstören kann.


Bild: DWI

Abwägung zwischen Nutzen und Schäden

„Unsere Methode haben wir unter anderem an herkömmlichen Antibiotika und einem Krebstherapeutikum erprobt“, so Professor Andreas Herrmann, stellvertretender Wissenschaftlicher Direktor des Instituts und Inhaber des Lehrstuhls für Makromolekulare Materialien und Systeme an der TH Aachen. „Durch die Freisetzung und Aktivierung der jeweiligen Wirkstoffe erschließen sich uns ganz neue Möglichkeiten der kontrollierbaren Arzneimitteltherapie.“

Arzneimittel sind fast immer mit unerwünschten Nebenwirkungen verbunden. Zulassungsbehörde und Ärzte müssen abwägen, ob der Nutzen eines Präparats größer ist als seine Nachteile. In den meisten Fällen treten Nebenwirkungen auf, weil die Medikamente nicht so verabreicht werden können, dass sie nur am Ziel Wirkung haben. 


Resistenzen könnten verhindert werden

Nebenwirkungen bei Antibiotika sind nicht minder gefährlich als bei Krebspräparaten. Weil sie in großen Mengen verabreicht werden müssen, damit sie wirken, fluten sie oft unkontrolliert den Körper. Das führt zu Resistenzen. Die Krankheitserreger gewöhnen sich an die Medikamente und werden nicht mehr abgetötet. Die DIE-Forscher zitieren die Warnungen von Kollegen, dass durch multiresistente Erreger bis zum Jahr 2050 die Leben von Millionen von Menschen in Gefahr geraten könnten.

Sonopharmakologie nennen die Entwickler ihr neues Forschungsgebiet, nach Sonor, der lateinischen Bezeichnung für Schall. Bereits etabliert ist die Photopharmakologie, bei der Wirkstoffe durch Licht aktiviert werden. Das Schallverfahren ist deutlich einfacher anwendbar.

 

via DWI

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