Bei Krebserkrankungen gilt: Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto besser fallen die Heilungschancen aus. Bei bestimmten Formen gibt es daher bereits fest etablierte Vorsorgeuntersuchungen – etwa die regelmäßige Darmspiegelung ab einem bestimmten Alter. Zu häufig allerdings werden Krebserkrankungen noch nur rein zufällig erkannt. Dabei hinterlassen entartete Zellen durchaus Spuren. So ist schon seit längerem bekannt, dass krebstypische Biomarker sowie entsprechende DNA-Fragmente im Blut der betroffenen Personen zirkulieren. Die theoretischen Voraussetzungen für einen Bluttest auf Krebs sind also gegeben. Bisher allerdings hat noch kein entsprechendes Produkt eine offizielle Zulassung erhalten. In Kanada und den Vereinigten Staaten wurde nun aber die bisher umfangreichste Studie zu einem solchen Bluttest durchgeführt.


Blutstropfen

Der Algorithmus wurde mit echten Blutproben trainiert

Daran teilgenommen haben 6.689 Krebspatienten sowie gesunde Personen als Kontrollgruppe. Alles in allem lag die Zahl der Teilnehmer somit bei rund 15.000. Der Test nutzte dabei die Blutprobe, um Methylgruppen-Anlagerungen innerhalb der DNA zu identifizieren. Dabei ergaben sich dann bestimmte Muster, die anschließend von einem selbst lernenden Algorithmus ausgewertet wurden. Rund zwei Drittel der abgegebenen Blutproben dienten ausschließlich als Trainingsmaterial. Anhand des letzten Drittels musste der Algorithmus dann seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Dabei sollten nicht nur fünfzig verschiedene Krebsarten unterschieden werden, sondern es sollte auch angezeigt werden, wo im Körper sich der entsprechende Tumor befindet. Das Ergebnis der Studie fiel dann allerdings gemischt aus. Auf der einen Seite waren die Diagnosen des Algorithmus teilweise sehr treffsicher. Andererseits aber eben auch noch weit entfernt von der Perfektion.


Die Trefferquote ist noch nicht optimal

Zunächst einmal die gute Nachricht: Die Zahl der falsch-positiven Tests lag bei lediglich 0,7 Prozent. Bereits etablierte Vorsorgeuntersuchungen – etwa die Mammographie für Brustkrebs – kommen hier teilweise auf deutlich höhere Werte. Auf der anderen Seite wurden über alle fünfzig Krebsarten hinweg aber auch nur 43,9 Prozent der Erkrankungen korrekt erkannt. Für den Einsatz in der Praxis eignet sich der Test somit nur bedingt. Dies gilt selbst dann, wenn man nur die zwölf häufigsten Krebsarten in den Blick nimmt – hier lag die Trefferquote immerhin bei 67,3 Prozent. Generell galt zudem, dass die Zahl der korrekten Tests bei Krebs im fortgeschrittenem Stadium deutlich höher lag als bei Tumoren in früheren Stadien. Wirklich überraschen dürfte dies aber nicht. Die groß angelegte Studie hat nun zumindest unter Beweis gestellt, dass es sich lohnt, in diesem Bereich weiter zu forschen – um dann irgendwann mit einem einfachen Bluttest zahlreiche Menschenleben retten zu können.

Via: GRAIL

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