Bisher spielen Erneuerbare Energien auf der arabischen Halbinsel so gut wie keine Rolle. Im kleinen Emirat Katar beispielsweise kommen Solarkraftwerke und Müllverbrennungsanlagen gemeinsam auf einen Anteil von mageren 0,4 Prozent an den gesamten vorhanden Kraftwerkskapazitäten. In den Nachbarländern liegen die Werte nur unwesentlich höher: Bahrain kommt auf 0,1 Prozent, die Vereinigten Arabischen Emirate erreichen immerhin zwei Prozent. Auch auf der arabischen Halbinsel scheint nun aber so langsam ein Umdenken einzusetzen. So kündigten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate bereits massive Investitionen in den Ausbau der Erneuerbaren Energien an. Selbiges gilt auch für das Emirat Katar, wo nun ein erstes konkretes Projekt umgesetzt wird: Für umgerechnet mehr als 400 Millionen Euro entsteht ein Solarkraftwerk mit einer Kapazität von 800 Megawatt.


Bisher setzt das Emirat fast ausschließlich auf Gaskraftwerke

Ein Teil des Geldes dürfte auch ins Ausland fließen. Denn mit dem Bau beauftragt wurden die internationalen Konzerne Total aus Frankreich und Marubeni aus Japan. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2022 geplant. Bisher setzt Katar bei der eigenen Energieversorgung beinahe ausschließlich auf Gaskraftwerke. Zusätzlich ist das Emirat auch der weltweit größte Exporteur von Flüssiggas. Den Angaben von Energieminister Saad al-Kaabi zufolge, soll die Energieversorgung zukünftig aber zumindest teilweise nachhaltiger gestaltet werden. So ist geplant, den Anteil der Erneuerbaren Energien an den Kraftwerkskapazitäten bis zum Jahr 2030 auf zwanzig Prozent zu steigern. Bei einem Wüstenstaat wie Katar mit extrem vielen Sonnenstunden liegt da die Nutzung der Solarenergie nahe. Der Energieminister kündigte daher auch bereits weitere Projekte in dieser Richtung an.


Der Stromverbrauch nimmt immer weiter zu

Hinzu kommt: Katar exportiert nicht nur Flüssiggas, sondern auch hochreines Polysilizium – ein wichtiger Rohstoff für die Produktion von Photovoltaik-Anlagen. An der dafür verantwortlichen Firma Qatar Solar Technologies war einst auch das – inzwischen insolvente – Bonner Unternehmen Solarworld beteiligt. Inzwischen befinden sich aber wieder alle Firmenanteile in einheimischen Händen. Zumindest teilweise kann das Emirat so auch von der weltweiten Energiewende profitieren. Ob die Klimabilanz des kleinen Landes durch den Bau der Solarkraftwerke tatsächlich besser ausfallen wird, ist allerdings noch unklar. Denn in den letzten Jahren ist auch der Stromverbrauch des Landes stark angestiegen. Insbesondere in den heißen Sommermonaten werden hier immer neue Rekordwerte erreicht. Mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 und den dazugehörigen Bauprojekten vor der Tür, dürfte sich an dieser Entwicklung zumindest kurz- und mittelfristig nichts ändern.

Via: Handelsblatt

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