In unseren Städten gibt es viel zu wenig günstigen Wohnraum, der Bestand an Sozialwohnungen sank sogar in den letzten 29 Jahren um volle 60 %. Gleichzeitig existiert eine starke Bewegung hin zum Minimalismus, die zu freiwilligem Konsumverzicht führt und dazu, dass Menschen sich auf kleinen Raum zurückziehen möchten. Apo Can Ericek verknüpft diese beiden Enden miteinander und wurde jetzt zum ersten Mini-Bürgermeister Deutschlands.


Der Tiny Temple in Berlin / Foto: Screenshot aus Youtube-Video s.u.

Die Cranach Stiftung lud die Mini-Häusler ein

Nur 100 Euro warm soll die Miete kosten für jedes einzelne dieser winzigen Häuschen, die auf dem Marktplatz in Wittenberg stehen. Jedes hölzerne Gebäude ist auf einem Anhänger platziert, denn es kann jederzeit woanders hinfahren. Doch jetzt sind sie erst einmal hier, die vier Tiny-House-Bewohner mit ihrem winzigen „Hartz-IV-Kino“ fürs kostenlose Filmeschauen – und zwar auf Einladung der Cranach-Stiftung. Die Organisation hatte einen weiten Blick nach Berlin geworfen und Apo mit seinen Häusern dort entdeckt. Jetzt soll der junge Mann in Wittenberg erforschen, wie es sich in einer Mini-Siedlung leben lässt und was zur Weiterentwicklung des Konzepts benötigt wird.

Der Tiny Temple dient als Küche für Obdachlose

In einem der Häuser hat sogar eine Architektin ihr Büro aufgeschlagen, ihre Wände sind mit Entwurfsskizzen für neue Tiny Houses dekoriert. Ihr Schlafplatz befindet sich eine Etage höher, direkt über der „Arbeit“. Im Mittelpunkt der Siedlung steht der Tiny Temple, der im Moment als Küche dient. Hier entstehen unter anderem Gerichte für Obdachlose, Apo finanziert die Zutaten über Spendengelder. Er selbst erhält für dieses Engagement kein Geld, er möchte einfach seine Ideale leben. Vorher residierte Apo bereits ein halbes Jahr lang in einem Tiny House und musste dafür ziemlich stark „abspecken“: Sein gesamtes Hab und Gut passte einfach nicht in das zwar zweistöckige, aber doch reichlich kleine Haus. Er gab folglich viele Sachen weg und entdeckte, dass der Minimalismus ihm guttut.


Hier seht ihr ein Interview mit Apo aus seiner Berliner Zeit

Da stellt sich glatt die Frage: Wie viel Haus braucht ein Mensch, damit er glücklich ist?

Quelle: focus.de 

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1 Kommentar

  1. Uwe

    26. März 2019 at 10:34

    Bin mal gespannt, wie die Psyche der Bewohner nach 10/20/30 Jahren aussieht. Auch die Intelligenz/Kreativität/Lernfähigkeit könnte darunter leiden.

    Daher ist der Verbund zu Siedlungen mit der Schaffung von Begegnungsstätten in weiteren Räumen (weit im Sinne von großzügig) wichtig. Das schafft Kompensation.

    Vorteile wird es wohl für die sozialen und emotionalen Fähigkeiten, wie Konfliktfähigkeit bringen.

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