Das Auto hat in den letzten Jahrzehnten eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Das eigentlich rein mechanische Produkt wurde mit immer mehr Softwarelösungen ausgestattet: Von den digitalen Fahrassistenten bis hin zu den Infotainmentsystemen. Folgerichtig werden in den Fahrzeugen heute auch immer mehr Halbleiterprodukte und Computerchips verbaut. Genau dies wird nun aber zum Problem. Denn aktuell übersteigt die Nachfrage bei den wichtigen Chips deutlich das Angebot. Die Folge: Zahlreiche Hersteller müssen ihre Produktion drosseln. Volkswagen beispielsweise verlängerte deshalb die Kurzarbeit im Stammwerk Wolfsburg bis Mitte Januar. Auch der weltweit größte Zulieferer Bosch berichtet von Lieferproblemen bei den Chips. Beide Unternehmen betonten, dass aktuell noch nicht absehbar sei, wann sich die Situation wieder normalisiere. Ein rein deutsches Problem ist es allerdings nicht: Auch Ford, Nissan und Honda mussten die Produktion schon verlangsamen.


Zwei Gründe sind für die Probleme verantwortlich

Weitere Autohersteller dürften in den nächsten Wochen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Verantwortlich dafür sind vor allem zwei Faktoren. Der erste ist vergleichsweise simpel: Die Autohersteller zahlen schlicht weniger als andere Abnehmer. In Zeiten der Knappheit liefern die Chip-Hersteller daher zunächst an gut zahlende Abnehmer wie Apple oder HP. Dementsprechend gibt es dort aktuell auch kaum Probleme. Die Autohersteller sind im Gegenzug besonders stark betroffen. Die einfachste Lösung wäre nun, ebenfalls mehr Geld für die Chips zu bezahlen. Aufgrund der starken Konkurrenzsituation zwischen den Herstellern ist dies aber gar nicht so einfach, weil dadurch die ohnehin schon niedrigen Margen noch weiter schrumpfen würden. Dass das Problem aber genau jetzt auftritt, hat auch nicht-monetäre Gründe. Denn die Corona-Pandemie hat für starke Schwankungen bei den Verkaufszahlen von Autos gesorgt. Für die Chiphersteller war es daher schwierig, die Nachfrage zu kalkulieren.


Die Autoindustrie ist auf Lieferketten angewiesen

Ein starker Anstieg bei den Produktionszahlen zuletzt sorgte dann für die nun zutage tretende Knappheit. Die Computerchips zukünftig einfach selber herzustellen, dürfte für die meisten Autobauer allerdings auch keine Option sein. Denn dazu fehlt es in den meisten Fällen schlicht an Expertise und Erfahrung. Das Beispiel zeigt aber, dass die Autoindustrie auf zuverlässige Lieferketten angewiesen ist. Zukünftig dürfte das Thema zudem noch weiter an Bedeutung gewinnen. Denn die zunehmende Elektrifizierung des Straßenverkehrs sorgt auch für einen starken Anstieg bei der Nachfrage nach Batterien und Batteriezellen. Die meisten Hersteller haben sich allerdings gegen eine eigene Produktion entschieden und wollen die benötigten Produkte schlicht zukaufen. Engpässe auf dem Markt sind auch hier keineswegs ausgeschlossen. Zumal es auch bei den benötigten Rohstoffen immer mal wieder zu einer Knappheit kommen kann.

Via: Engadget

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