Der Fusionsforschungsreaktor „International Thermonuclear Experimental Reactor“ – kurz: Iter – kann bereits auf eine lange Geschichte zurückblicken. Erstmals vorgeschlagen wurde der Bau einer solchen Anlage von Michail Gorbatschow im Jahr 1985. Tatsächlich mit den Arbeiten begonnen wurde schließlich aber erst im Jahr 2007. Das Ziel ist es durch die sogenannte Kernfusion saubere Energie zu erzeugen. Dabei wird innerhalb eines Reaktors ein Wasserstoffplasma mit einer Temperatur von 150 Millionen Grad Celsius erzeugt. Dieses Plasma wiederum wird von surpaleitenden Magneten umschlossen. In der Theorie sorgt dies dafür, dass innerhalb des Plasmas die Wasserstoffisotope Deuterium (D) und Tritium (T) fusionieren und so Energie freisetzen. Im Rahmen von Iter soll dies nun erstmals in großem Stil in der Praxis getestet werden.


Bild: Oak Ridge National Laboratory [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)]

Russland, China und die USA arbeiten gemeinsam an dem Projekt

Gebaut wird der entsprechende Reaktor in Südfrankreich in der Nähe des Kernforschungszentrum Cadarache. Es handelt sich allerdings keineswegs um ein rein französisches Projekt. Stattdessen sind insgesamt 35 Staaten am Bau der Anlage beteiligt. Neben der Europäischen Union und der Schweiz sind dies Indien, Russland, die Vereinigten Staaten, Japan, Südkorea und China. Dies ist auch aus diplomatischer Sicht bemerkenswert: Es dürfte sich um eines der wenigen Projekte weltweit handeln, bei dem Russland, die USA und China konfliktfrei zusammenarbeiten. Daran ändert bisher auch die Tatsache nichts, dass die Kosten wohl deutlich höher ausfallen werden als geplant. Statt der ursprünglich anvisierten 5,5 Milliarden Dollar, kalkulieren die Vereinigten Staaten aktuell in einem Worst-Case-Szenario mit ungefähr der dreifachen Summe.

2025 soll der Bau abgeschlossen sein

Es gibt aber auch gute Nachrichten zu vermelden. Denn der untere Teil des Kryostats – der Kühl- und Vakuumkammer der Anlage – wurde nun fertiggestellt und feierlich eingeweiht. Dies hat zur Folge, dass jetzt mit dem Bau der eigentlichen Fusionskammer namens Tokamak begonnen werden kann. Auch bei der Produktion herrscht eine internationale Arbeitsteilung. So wird der obere Teil des Kryostats aktuell noch in Indien gefertigt. Der Tokamak wiederum soll in Südfrankreich vor Ort zusammengebaut werden. Die beteiligten Experten gehen davon aus, dass dann im Jahr 2025 das erste Plasma innerhalb der Anlage erzeugt werden kann. Anschließend wird es allerdings noch weitere zehn Jahre dauern, bis der Fusionsreaktor seine volle Leistung entfaltet.


Via: Iter

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