Das ambitionierte Ocean Cleanup Project des inzwischen 24-jährigen Niederländers Boyan Slat hatte in letzter Zeit mit einigen Rückschlägen zu kämpfen. Im September lief der erste Schlepper des Projekts aus dem Hafen von San Francisco aus, um mit einem riesigen Fangnetz den gewaltigen Pacific Garbage Patch, eine riesige „Insel“ aus schwimmenden Müll im Pazifischen Ozean, zu bereinigen. Anfang des Jahres musste der Schlepper dann aufgrund eines beschädigten Endstücks in den Hafen zurückkehren. Nun unternimmt die Gruppe um Boyan Slat einen zweiten Versuch.


Aus Rückschlägen lernen

Das Ocean Cleanup Project hat das System zum Sammeln von Plastikmüll nicht nur repariert, sondern ihm auch das ein oder Upgrade verpasst. Bei dem System handelt es sich um eine 600 Meter lange Barriere in U-Form, die auf dem Wasser schwimmt und mit einem Netz versehen ist, das nach unten hängt. Für den Vortrieb sorgt eine Kombination aus Strömungen, Wellen und Wind. Geplant war, dass die Konstruktion sich schneller fortbewegt als das Plastik, das sie einsammeln soll. Wenn die U-Form „gefüllt“ ist, so der Plan, kann sie mit Unterstützungsschiffen zurück zur Küste geschleppt werden.


Leider war es in der Praxis nicht so einfach. Nicht nur, dass die Barriere an mehreren Stellen aufbrach, sie hatte auch Schwierigkeiten, die nötige Geschwindigkeit zu halten. Im Januar kehrte das Ocean Cleanup Project also zurück an die Küste, damit Verbesserungen vorgenommen werden konnten.

Anstatt von einem Rückschlag zu sprechen, bezeichnete das Team die Vorfälle als „nicht geplante Lerngelegenheit“. Laut Boyan Slat war eines der Dinge, die das Team gelernt hat, dass es faktisch egal ist, ob das System schneller oder langsamer als das Plastik unterwegs ist. Wichtig ist nur, dass die Geschwindigkeit der Sammelvorrichtung nicht der des Plastiks entspricht.

Das Ocean Cleanup Project im Video erklärt

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Zweiter Versuch mit verbessertem System

Die verbesserte Version des Systems befindet sich nun erneut auf dem Weg zum Pacific Garbage Patch. Dort sollen einige neue Features getestet werden, die die vorangegangenen Probleme beheben sollen. Eines davon sind große, aufblasbare Bojen an der Öffnung der U-Form, die das System vom Wind getrieben schneller machen sollen.

Plan B ist ein großer Unterwasserfallschirm mit einem Durchmesser von 20 Metern, der das System ausbremsen soll, sodass es sich in der gleichen Geschwindigkeit wie das Wasser bewegt. Nach Angaben des Teams ist das auf der Wasseroberfläche treibende Plastik oft deutlich schneller unterwegs als die Strömung selber, sodass auch das eine Lösung sein könnte.

Und auch in Sachen Haltbarkeit nahm das Team einige Verbesserungen vor. Die Verbindungen zwischen der Barriere und dem darunter befindlichen Netz wurde einfacher gestaltet. Gleichzeitig wurden stabilisierende Elemente entfernt, weil sie laut dem Team nicht mehr nötig sind. Außerdem wurde die Größe der Barriere verringert und eine mehr modulare Herangehensweise gewählt. So kann das System schneller eingesetzt und bei Bedarf auch auf hoher See modifiziert werden.

Das Ocean Clean Up Projekt möchte letztlich 60 dieser Systeme einsetzen, um den Pacific Garbage Patch aus dem Meer zu sammeln, eine Ansammlung von Plastikteilen auf der Wasseroberfläche, die sich über eine Fläche von etwa 1,6 Millionen Quadratkilometer erstreckt. Das entspricht etwa der dreifachen Fläche Frankreichs. Das Team hofft, etwa die Hälfte der Müllansammlung innerhalb von 5 Jahren beseitigen zu können.

via The Ocean Cleanup Project

1 Kommentar

  1. Björn

    27. Juni 2019 at 07:44

    Jetzt fallen mir zwei Fragen ein.

    1. Wer bezahlt das? im besten Fall, die Weltgemeinschafft, aber ob das klappt. . .
    2. Wer bekommt den Müll? In welche Länder wird dieser geschleppt?

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