Was bei Autos funktioniert, ist bei Flugzeugen kaum bis gar nicht sinnvoll: Elektroflieger schaffen höchstens sehr begrenzte Strecken – und Beimischungen von Ethanol oder anderer biobasierter Stoffe erfüllen nicht die viel strengeren Anforderungen an Flugzeugtreibstoffe. Wie lassen sich die Emissionen trotzdem radikal senken? Agraringenieure der American Society for Testing and Materials (ASTM) und der Federal Aviation Administration haben etwas Interessantes ausprobiert und melden nun: Erfolg!


Sieht so der neue Flugzeugtreibstoff aus?

Prinzip der Erdölentstehung im Zeitraffer nachgeahmt

Lebensmittelabfälle wird es immer geben, und zwar in rauen Mengen. Die Wissenschaftler verwendeten ein chemisches Verfahren namens hydrothermale Verflüssigung (HTL), um das Prinzip der Erdölentstehung mit Essensresten zu imitieren. Organisches Material wurde innerhalb von Jahrmillionen zum bekannten fossilen Treibstoff; die HTL funktioniert ohne diese ewige Wartezeit. Dafür nutzten die Forscher eine Art hochmodernen, riesigen Schnellkochtopf und ein zweistufiges Verfahren.

Zuerst mussten sie störende Stoffe wie Asche, Salz, Feuchtigkeit und Schmutz aus den Abfällen entfernen. Anschließend ging es im katalytischen Hydrotreating darum, auch noch Schwefel, Sauerstoff und Stickstoff loszuwerden. Übrig blieben die spezifischen Kohlenwasserstoffe, die für den Flugtreibstoff nötig sind. Kobalt-Molybdän erwies sich als ein effektiver, leicht verfügbarer Katalysator für die chemischen Reaktionen.


Testung nach ASTM-Standards erfolgreich

Das Forscherteam testete sein Endprodukt nach den aktuellen Standards der American Society for Testing and Materials (ASTM) und der Federal Aviation Administration. Es bestand den Screening-Test und erfüllt somit sämtliche Industriestandards – ohne besondere Zusatzstoffe. Theoretisch könnte der Kraftstoff also kommerzielle Flugzeuge antreiben, ohne dass dafür ein Umbau nötig wäre.

80 Prozent Emissionseinsparung locken, wenn sich dieses nützliche Recyclingsystem etablieren lässt. Die Studie ist in der Fachzeitschrift »Nature Communications« nachzulesen; es handelt sich um einen reinen Proof-of-Concept, das auf eine greifbare Möglichkeit für die Luftfahrtindustrie hinweist. Flugtests stehen noch aus, ebenso wie ein Konzept zur Massenproduktion, das darauf ausgelegt ist, ganze Flugzeugflotten zu versorgen. Für Letzteres braucht es noch jede Menge Zeit, Kapital und Ressourcen. Wir berichten, wenn es etwas Neues dazu gibt.

Quelle: popsci.com 

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