2020 war auch für die Baumaschinenhersteller kein gewöhnliches Jahr. Allein schon deshalb, weil viele der wichtigsten Messen in der Branche entweder abgesagt wurden oder nur in einem stark reduzierten und/oder adaptierten Umfang stattfanden bzw. stattfinden. Allerdings gibt es dennoch eine Menge Interessantes, Neues und Positives zu vermelden.


Denn, und das ist von entscheidender Wichtigkeit, die Situation der vergangenen und aktuellen Monate hat sich bis dato nicht in dem stark negativen Maß auf die Bauindustrie selbst ausgewirkt, wie es zunächst den Anschein hatte – auch wenn es natürlich unübersehbare Einbußen gab und noch bis 2021 hinein geben wird. Doch was gibt es für das vergangene Jahr an maschinellen Trends zu berichten?


Effizienz wird maximiert

Die Bauma 2019 war ein wichtiger Gradmesser. Die Messe zeigte, welchen Spielraum es im Bereich der Effizienz von Baumaschinen nach oben hin noch gibt, wenn den Ingenieuren weitgehend freie Hand gelassen wird. Ein Beispiel von vielen, ist das, was Keestrack zeigt. Der Hersteller hat sich in besonderem Maße der Elektrifizierung seines kompletten Portfolios verschrieben und schreckt auch nicht vor unkonventionell wirkenden Lösungen zurück –

besonders prominent am Beispiel seines mit Solarmodulen bestückten Haldenbandes „S5e Solar“ zu sehen. Dieses ist bei ausreichender Sonneneinstrahlung dazu fähig, seinen kompletten Energiebedarf über Photovoltaik zu decken. Der selbst produzierte Strom wird in eine Batterie eingespeist und gelangt von dort zu den Verbrauchern.

Doch nicht nur bei Keestrack ist Effizienz das große Credo der Stunde. Generell besteht überall der enorm große Wunsch, Energie und Zeit so effizient wie möglich zu nutzen. Hierbei spielt die Energierückgewinnung eine Rolle, genauso wie andere Techniken, die mehrere, bislang getrennte Arbeitsschritte kombinieren und so nicht nur Energie, sondern auch noch Zeit und Arbeitsaufwand einsparen.

Elektrifizierung für den Umweltschutz

Ein höherer Grad an Elektrifizierung als er bisher üblich war trägt praktisch immer zur Effizienzsteigerung bei. Allerdings ist das nicht der einzige Grund, warum quer durch die ganze Branche ein so starker Trend zum Einsatz vollelektrischer oder zumindest auf Hybridtechnik basierender Maschinen zu sehen ist.

Denn letztlich lässt sich die Baubranche nicht losgelöst von der generellen Notwendigkeit eines verbesserten Umweltschutzes betrachten. Tatsächlich ist sie es sogar, die in vielen Bereichen anderen Industrien und sogar der Masse der Verbraucher ein gutes Stück voraus ist.

Hierfür ist JCB ein prägnantes Beispiel. Der Hersteller geht – im Bestreben, die neue EU-Emissionsgesetzgebung umzusetzen – ebenso neue Wege und zeigt bei seinen Midi-Baggern und Radladern, dass Detailverbesserungen nicht zwingend nur kleine Fortschritte bedeuten müssen, sondern, im Gegenteil, dramatische Auswirkungen auf den Energieverbrauch haben können.

Tatsächlich dürfte die massive Elektrifizierung aus Gründen des Umweltschutzes für die gesamten kommenden Jahre der stärkste Trend sein. Allein schon deshalb, weil sich bei den Baumaschinen, im Gegensatz beispielsweise zur persönlichen Mobilität, kaum etwas auf simple Weise zusammenfassen oder auf alternativen Wegen erreichen lässt. Ein Autofahrer mag auf Bus und Fahrrad umsteigen können, wenn jedoch ein Steinbruch Radlader und Planierraupen benötigt, gibt es zu beidem einfach keine Alternative.

Länger durchhalten, kürzer stehen

Ganz gleich, welche Baumaschine man als Beispiel heranzieht: Am effektivsten wäre immer jene Maschine, die vom Kauf bis zur Ausmusterung hundert Prozent der Zeit am Einsatzort auch tatsächlich arbeitet.

Ein nur theoretisches Ziel, das sich in der Praxis kaum erreichen lässt? Nicht unbedingt. Denn Tatsache ist zumindest, dass quer durch alle Hersteller und auch Zulieferer jene Bestrebungen immer stärker werden, Baumaschinen und deren Teile so zu gestalten, dass sie möglichst lange Betriebszeiten ermöglichen, bevor Wartungsarbeiten anstehen oder Ausfälle zu befürchten sind. Immer häufiger finden sich heutzutage beispielweise Teile-Lösungen aus modernen Kunststoffen an Stellen, wo zuvor Metall zum Einsatz kam. Immer häufiger werden auch komplexe mechanische Techniken zusammengefasst oder vereinfacht.

Nicht zuletzt findet sich hier auch schon ein wichtiger Grund für den so stark gestiegenen Digitalisierungsgrad: Maschinen vermögen es immer besser, sich selbst bis in die kleinsten Details permanent zu überwachen und vor allem Probleme bereits im Ansatz ihres Entstehens zu erkennen – und nicht erst, wenn bereits ein Schaden aufgetreten ist.

Letztendlich zielt alles damit auf zwei Stoßrichtungen ab:

  1. Generell die Schadenshäufigkeit zugunsten einer proaktiven und somit zumindest günstigeren, oft aber auch zeitlich kürzeren, Wartung abzuleiten und
  2. Durch den Einsatz simpler, robusterer Techniken die Intervalle zwischen diesen Wartungsarbeiten sowohl zu verlängern wie die Arbeiten selbst zu verkürzen und zu vereinfachen.

Tatsächlich lässt sich feststellen, dass Baumaschinen dem oben erwähnten Ziel der vollkommenen Auslastung immer näherkommen. So nah zumindest, wie es nach derzeitigem Stand der Technik möglich ist.

Schlau am Bau

Digitalisierung ist das Gebot der Stunde – bei den Baumaschinen allerdings nicht nur explizit, um Ausfallzeiten zu verkürzen. Letztendlich zeigt sich auch, dass nicht nur die Bedeutung von ferngesteuerten sowie (teil-)autonomen Geräteträgern gestiegen ist, sondern bei vielen ihrer Applikationen auch ein Wandlungsprozess stattfindet: Smarte Technik ist am Vormarsch, die nicht mehr als Selbstzweck besteht oder als prinzipiell kaum notwendiger Kostentreiber, sondern die die Arbeit insgesamt verbessert, erleichtert und effizienter macht.

  • Die Bediener der Maschinen können durch das stark erleichterte Erlernen der Systeme viel flexibler eingesetzt werden.
  • Die Bediener müssen nicht zwingend in der Baumaschine arbeiten. Primär stellt dies natürlich eine Gefahrenreduktion dar, allerdings trägt es auch deutlich zu einer gestiegenen Ergonomie und einem erhöhten Komfort bei einer gleichzeitig gesunkenen Belastung durch Lärm, Vibrationen und Ähnlichem bei.
  • Die Planung für den Einsatz kann viel detaillierter gestaltet werden und so zu gestrafften und kostengünstigeren Arbeitsprozessen führen.

Tatsächlich lässt sich mit einiger Sicherheit absehen, dass in den kommenden Jahren die Kabine für den Bediener immer häufiger leer bleiben kann – und bei neuen Modellen auch schlicht nicht mehr vorhanden sein wird. Allerdings müssen damit keine Befürchtungen einhergehen: Die sich so stark unterscheidenden Einsatzorte von Baumaschinen machen es schwierig, tatsächlich vollautonome Geräte einzusetzen. Die Sorge, dass dadurch viele Arbeitsplätze von Bedienern wegfallen könnten, ist deshalb derzeit und mittelfristig unbegründet. Lange nachdem der normale Straßenverkehr autonom gestaltet wurde, wird das komplexe Gebiet „Bau“ also weiterhin Menschen benötigen.

Weniger rohe Gewalt, mehr Sauberkeit

Seitdem die ersten Baumaschinen entstanden, hat sich an deren primärem Einsatz nur wenig geändert: Sie sind laut, kraftvoll, bei der Arbeit geht es fast immer schmutzig zu und vielfach sind Schäden an der Infrastruktur kaum zu vermeiden.

Allerdings kündigt sich auch hier gerade eine interessante Trendwende an. Das mit Abstand beste Beispiel dafür ist das Aufkommen von moderner Saugbaggertechnik. Sie vereint alle Vorteile eines schnellen Aushubs, was abermals der Effizienz zugutekommt, verbunden mit einem verringerten Risiko für Schäden an Leitungen sowie für eine Verschmutzung im Umfeld des Arbeitsortes.

Diese Faktoren müssen vor allem vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass immer mehr Menschen in urbanen Gebieten leben. Hier ist es wichtig, die „Störung“ beim Einsatz von Baumaschinen, so gering wie möglich zu halten und das wird sich sicher auch künftig nicht ändern. Der Saugbagger dürfte deshalb in den kommenden Jahren nur einer von vielen ähnlich kreativen Lösungsansätzen sein, die ebenso auf schnellste Erledigung der Aufgabe bei geringster störender Außenwirkung setzt.

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