Tesla-Boss Elon Musk gilt nicht gerade als Freund einer allzu starken gewerkschaftlichen Organisation. In den Vereinigten Staaten streitet er sich seit vielen Jahren mit den Funktionären der United Auto Workers (UAW). Mittlerweile beschäftigt die Auseinandersetzung sogar die Gerichte. Denn die Gewerkschaft hat den Firmenchef verklagt, weil dieser gezielt die gewerkschaftliche Arbeit zu unterbinden versuche. Vor diesem Hintergrund ist es durchaus überraschend, dass Musk sich bei der Standwortwahl für seine neue Gigafabrik ausgerechnet für Deutschland entschieden hat. Denn hierzulande ist die IG Metall in der Autobranche extrem stark vertreten. Diese Erfahrung musste auch der Tesla-Boss bereits machen: Nach der Übernahme des Maschinenbauers Grohmann Engineering setzte die Gewerkschaft dort erhebliche Zugeständnisse durch. Unter anderem mussten die Gehälter um rund dreißig Prozent angehoben werden.


Tesla soll unter keinen Umständen eine Sonderbehandlung erhalten

Die erste Runde der Auseinandersetzung ging also an die IG Metall. Bei der Gigafactory in Grünheide könnte sich das Schauspiel nun wiederholen. Denn Elon Musk zeigt bisher nur wenig Interesse an einer konstruktiven Zusammenarbeit. So schrieb IG-Metall-Chef Jörg Hofmann schon vor einigen Monaten einen Brief an den Firmenchef. Darin ging es unter anderem um die Vorteile deutscher Besonderheiten wie der betrieblichen Mitbestimmung. Auf eine Antwort wartet der Gewerkschaftschef allerdings bis heute. Schon jetzt stellt Hofmann allerdings klar, dass der US-Konzern keine Sonderbehandlung zu erwarten hat. Stattdessen sollen in Sachen Gehalt, Arbeitszeit, Mitbestimmung und Arbeitsbedingungen die in Deutschland üblichen Branchenstandards durchgesetzt werden. Ein gewisses Druckmittel hat der Arbeiterführer dabei durchaus in der Hinterhand. Denn Tesla dürfte sich für den Standort in Deutschland auch wegen der hierzulande hohen Dichte an Fachkräften entschieden haben.


Auch Amazon streitet sich mit den deutschen Gewerkschaften

Diese allerdings sind vergleichsweise oft gewerkschaftlich organisiert. Tesla ist allerdings keineswegs der erste US-Konzern, der mit den deutschen Gewerkschaften im Clinch liegt. So hat sich Amazon inzwischen zwar zu Mitbestimmung bekannt und betont die gute Zusammenarbeit mit den Betriebsräten. Einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft ver.di lehnt das Unternehmen aber strikt ab – und nimmt dafür auch regelmäßige Streiks in Kauf. Allerdings sind die Arbeiten bei Amazon auch deutlich simpler als in einer Autofabrik. Man ist also nicht so stark auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen. Es bleibt daher abzuwarten, ob sich Musk tatsächlich auf eine langjährige Auseinandersetzung mit der IG Metall einlassen wird. Oder ob er – ähnlich wie einst bei Grohmann Engineering – letztlich doch zähneknirschend Zugeständnisse machen wird. Unabhängig davon schreiten die Bauarbeiten der neuen Gigafabrik voran. Läuft weiterhin alles nach Plan, könnten dort bereits dieses Jahr die ersten Elektroautos vom Band laufen.

Via: Wiwo

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