Die Zahl an sich ist erst einmal beeindruckend: Mehr als 1,5 Billionen Kubikmeter Erdgas befinden sich in den Böden der Bundesrepublik. Aktuell wird allerdings nur ein Teil davon wirklich gefördert. So hat die Deutsche Rohstoffagentur berechnet, dass sich lediglich 22,5 Milliarden Kubikmeter wirtschaftlich sinnvoll aus der Erde holen lassen. Diese Zahl ist aber nicht in Stein gemeißelt. Denn theoretisch ließe sich der Wert durch den Einsatz der Fracking-Technologie deutlich erhöhen. Dabei wird ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien unter hohem Druck in den Boden gepresst. Dadurch kann eigentlich undurchlässiges Gestein aufgebrochen werden, wodurch sich dort gebundenes Gas abbauen lässt. Man spricht dann auch von „unkonventionellem Erdgas“. In den Vereinigten Staaten lassen sich die Vor- und Nachteile dieser Technologie beobachten. Einerseits konnte dadurch die einheimische Erdgas-Förderung massiv gesteigert werden. Auf der anderen Seite kam es zu massiven Umweltschäden. Verschiedene Studien wiesen zudem die Verschmutzung von Trinkwasser nach.


Fracking
Foto: Fracking; Urheber Ostroff Law CC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Die konventionellen Förderstätten haben ihren Zenit überschritten

Nicht zuletzt die Erfahrungen aus den Vereinigten Staaten sorgten dafür, dass Fracking in Deutschland faktisch verboten wurde. Tatsächlich ist die Fördermethode seit dem Jahr 2016 zwar unter bestimmten Bedingungen theoretisch noch erlaubt. Die Auflagen und Vorschriften sind aber so streng, dass eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung nicht möglich ist. Seit rund sechs Jahren wird daher in Deutschland kein Fracking mehr genutzt. Die konventionellen Gasförderstätten hierzulande haben ihren Zenit allerdings bereits überschritten. So deckte die heimische Förderung vor einigen Jahren noch rund zwanzig Prozent des Verbrauchs ab. Inzwischen ist dieser Wert auf rund fünf Prozent gefallen. Eine signifikante Steigerung ist realistischerweise nur durch eine Lockerung der Fracking-Vorschriften zu erreichen. Noch vor wenigen Monaten wäre ein solcher Schritt undenkbar gewesen. Doch der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat einige Gewissheiten in Sachen Energieversorgung ins Wanken gebracht. So hat es aktuell Priorität möglichst schnell unabhängig von russischen Gaslieferungen zu werden.

In den Vereinigten Staaten gibt es jede Menge Fracking-Gas

So ist unter anderem geplant, einige Kohlekraftwerke noch länger laufen zu lassen als eigentlich geplant. Eine Rückkehr der Atomkraft wird bisher hingegen ausgeschlossen. Stattdessen ist Wirtschaftsminister Robert Habeck bemüht, neue Erdgas-Lieferanten zu finden. In einigen Fällen ist dies unproblematisch. So will beispielsweise Norwegen die Liefermengen erhöhen. Dies alleine reicht allerdings nicht. Andere potenzielle Lieferanten sind eher kritisch zu sehen. So steht Katar immer wieder wegen der fehlenden demokratischen Grundrechte und der Behandlung von ausländischen Arbeitskräften in der Kritik. Flüssiggas aus den Vereinigten Staaten wiederum wurde in der Regel auf unkonventionelle Weise gefördert. Dies wirft die Frage auf, ob es wirklich sinnvoll ist, Fracking hierzulande zu verbieten, um dann Fracking-Gas teuer zu importieren. Bisher allerdings scheint eine Ausweitung der heimischen Förderung hierzulande nicht zur Debatte zu stehen.


Via: Wiwo

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