Manche Autoimmunerkrankungen greifen die Nerven in den Armen und Beinen an. Menschen, die davon betroffen sind, leiden nicht nur an der Krankheit selbst, sondern auch Gefühlsstörungen, Muskelschwäche und zusätzlichen Schmerzen. Forscher am St. Josef Hospital Bochum sind jetzt auf eine Möglichkeit gestoßen, geschädigte Nerven zu regenerieren. In Laborversuchen haben sie gezeigt, dass Propionat, das Salz einer kurzkettigen Fettsäure, Nerven schützen und bei ihrer Regeneration helfen kann. Die Erkenntnisse könnten für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen nützlich sein, bei denen Nervenzellen geschädigt werden, wie bei der chronisch entzündlichen demyelinisierenden Polyneuropathie (CIDP), einer Erkrankung des peripheren Nervensystems.


Bild: Dr. Thomas Grüter und Niklas Rilke

Bei der Therapie klafft eine Lücke

„Aktuell verfügbare Medikamente gegen CIPD sind sehr teuer und wirken vor allem auf das Immunsystem“, sagt Thomas Grüter. „Eine nervenschützende und regenerative Therapie steht bislang nicht zur Verfügung.“


Der Mensch produziert Propionat im Darm beim Abbau von Ballaststoffen. Ein Team um Thomas Grüter und Privatdozentin Kalliopi Pitarokoili von der Neurologischen Universitätsklinik am St. Josef Hospital hatte bereits früher festgestellt, dass Menschen mit Multipler Sklerose (MS) einen Mangel an Propionat haben und von einer zusätzlichen Propionat-Einnahme profitieren können. Die Substanz könne dementsprechend auch für Patientinnen und Patienten mit CIDP nützlich sein, so ihre Schlussfolgerung.

Propionat schützt Zellen gegen Stress

Die schützende Wirkung von Propionat erforschte das Team jetzt in Zellkulturen und Tierversuchen. Die Forscher isolierten die beiden wichtigsten Zellarten im peripheren Nervensystem aus Ratten: Nervenzellen und Schwannzellen. Letztere bilden die Ummantelung der Nervenzellen. Die beiden Zellarten kultivierten sie getrennt voneinander und setzten sie oxidativem Stress aus, was üblicherweise zu Schäden an den Zellen führt. Einige Zellkulturen behandelte das Team mit Propionat und verglich die Effekte mit unbehandelten Kulturen. In den behandelten Kulturen starben signifikant weniger Zellen ab. Außerdem wuchsen die Zellen nach der Behandlung wieder besser als ohne Propionat-Gabe. Nach Einnahme von Propionat waren die Nervenzellen also besser gegen oxidative Schäden geschützt. Ob es bei Menschen auch hilft muss sich noch herausstellen.

 

via RUB

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