Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen, wobei dauerhaft erhöhte LDL-Cholesterinwerte als einer der zentralen Risikofaktoren gelten. Zwar stehen seit Jahrzehnten wirksame Medikamente zur Verfügung, doch erfordern sie in der Regel eine lebenslange und konsequente Einnahme. Vor diesem Hintergrund rücken neue biotechnologische Ansätze in den Fokus, die tiefer in die biologischen Steuerungsmechanismen des Cholesterinstoffwechsels eingreifen sollen. Ein besonders innovativer Ansatz stammt von Scribe Therapeutics, einem Unternehmen, das eine neuartige CRISPR-basierte Therapie entwickelt. Ziel ist es, das für den Cholesterinspiegel entscheidende Gen PCSK9 gezielt und langfristig zu regulieren, ohne das Erbgut dauerhaft zu verändern. Eine einmalige Behandlung könnte so eine anhaltende Senkung der LDL-Cholesterinwerte ermöglichen. Grundprinzip: Epigenetische Stilllegung statt Genzerstörung Die in Entwicklung befindliche Therapie STX-1150 unterscheidet sich grundlegend von klassischen CRISPR-Anwendungen, die gezielt DNA-Stränge schneiden. Stattdessen nutzt Scribe Therapeutics eine weiterentwickelte CRISPR-Technologie, bei der eine modifizierte Variante des Enzyms CasX eingesetzt wird. Diese erzeugt keine Brüche im Erbgut, sondern verändert die Aktivität des Zielgens PCSK9 auf epigenetischer Ebene. Durch das Anbringen chemischer Markierungen wird die Ablesung des Gens gedämpft, sodass weniger PCSK9-Protein gebildet wird. In der Leber führt dies dazu, dass mehr LDL-Rezeptoren an der Zelloberfläche verbleiben und LDL-Cholesterin effizienter aus dem Blut entfernt wird. Der Ansatz orientiert sich an natürlichen genetischen Varianten, bei denen eine verminderte PCSK9-Aktivität mit dauerhaft niedrigen Cholesterinwerten und einem reduzierten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht. Klinische Ergebnisse stehen noch aus In präklinischen Studien an nicht-menschlichen Primaten zeigte STX-1150 eine ausgeprägte und langanhaltende Wirkung. Nach einer einmaligen Behandlung sanken die LDL-Cholesterinwerte um mehr als die Hälfte, wobei dieser Effekt über viele Monate stabil blieb. In einigen Fällen hielt die Senkung über ein Jahr hinaus an, ohne dass wiederholte Gaben erforderlich waren. Gleichzeitig ergaben die Untersuchungen keine Hinweise auf relevante Nebenwirkungen oder unbeabsichtigte Veränderungen der Genaktivität außerhalb des Zielgens. Diese Ergebnisse sind besonders bedeutsam, da Sicherheit und Präzision zentrale Herausforderungen bei genetischen Therapien darstellen. Auf Grundlage dieser Daten plant Scribe Therapeutics den Einstieg in klinischen Studien am Menschen Mitte 2026, um Wirksamkeit und Verträglichkeit erstmals systematisch zu überprüfen. Neue Behandlung für erhöhte Cholesterinwerte Sollten sich die präklinischen Ergebnisse in klinischen Studien bestätigen, könnte STX-1150 einen Paradigmenwechsel in der Behandlung erhöhter Cholesterinwerte einleiten. Im Gegensatz zu etablierten Therapien wie Statinen oder PCSK9-Antikörpern wäre keine dauerhafte medikamentöse Begleitung notwendig. Stattdessen zielt der Ansatz auf eine langfristige Veränderung des Krankheitsverlaufs durch eine einmalige Intervention. „Entering the clinic with STX-1150 represents a defining moment for Scribe and the wider genetic medicine field“, erklärte der CEO von Scribe Therapeutics, Benjamin Oakes, und verwies damit auf die potenzielle Tragweite dieser Entwicklung. Dennoch bleiben offene Fragen, etwa zur langfristigen Sicherheit, zur Reversibilität der epigenetischen Effekte und zu regulatorischen Rahmenbedingungen. Erst die klinische Erprobung wird zeigen, ob die CRISPR-basierte Stilllegung von PCSK9 tatsächlich das Versprechen einer dauerhaft wirksamen Cholesterintherapie einlösen kann. via Scribe Therapeutics Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter
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