Der internationale Währungsfonds IWF wurde im Jahr 1945 gegründet und hat eine durchaus bewegte Geschichte hinter sich. Doch Zeiten wie diese hat die Washingtoner Institution auch noch nicht erlebt. So musste das alljährliche Frühjahrstreffen der Finanzminister und Notenbankchefs in diesem Jahr rein digital stattfinden – was eine Premiere darstellte. Zu bereden gab es auf dem virtuellen Treffen aber genug. Denn der IWF bekommt die Folgen der Corona-Pandemie zu spüren: Insgesamt 102 Staaten weltweit haben den Währungsfonds um finanzielle Unterstützung zur Bewältigung der Krise gebeten. Dies stellt einen neuen Rekordwert dar: Nie zuvor benötigten so viele Länder auf einmal Unterstützung. Auch für den Währungsfonds stellt die Corona-Krise also eine Ausnahmesituation dar. Doch die Experten dort sehen sich für die Herausforderung gut gerüstet.


Bild: Zouzou Wizman, Creative Commons Attribution 2.0 Generic, via Wikimedia Commons

Es droht eine weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise

Die Besonderheit der Situation besteht darin, dass insbesondere Schwellen- und Entwicklungsländer mit zwei ineinander verwobenen Problemen zu kämpfen haben. So kostet auf der einen Seite die direkte Bekämpfung von Covid-19 Geld – etwa weil das Gesundheitssystem aufgerüstet werden muss. Gleichzeitig stellen die weltweiten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie eine enorme Belastung für das Wirtschafts- und Finanzsystem dar. Dies gilt insbesondere für viele ärmere Länder mit nicht so leistungsstarken Ökonomien. Folgerichtig kommen die meisten der Staaten, die jetzt beim IWF um Hilfe gebeten haben auch aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Die Chancen, dass sie tatsächlich Hilfe erhalten, stehen durchaus gut. Denn der Fonds hat zum einen die Richtlinien zur Erlangung der begehrten Kredite gelockert und zum anderen gleichzeitig die finanzielle Feuerkraft erhöht.

Die Staaten der Eurozone können auf zusätzliche Ressourcen zurückgreifen

Insgesamt können so bis zu 1.000 Milliarden Dollar in die Weltwirtschaft gepumpt werden. Hinzu kommen noch kurzfristige Kreditlinien, bei denen Staaten innerhalb kürzester Zeit Geld erhalten können. Auch die Gelder für die Nothilfe wurden massiv aufgestockt. Länder aus der Europäischen Union haben den IWF bisher allerdings noch nicht um Hilfe bitten müssen. Insbesondere bei den Staaten der Eurozone gibt es zudem zusätzliche Sicherheitsnetze, um Staaten im Notfall zu unterstützen. So gibt es hier beispielsweise die Möglichkeit, Kredite aus dem Euro-Rettungsfonds ESM zu erhalten. Außerdem steht die Europäische Zentralbank bereit, um die Zukunft des Euros zu gewährleisten. Viele andere Staaten können auf solche regionale Hilfen allerdings nicht zurückgreifen, sondern müssen auf die Hilfe des IWF setzen. Elf der Anträge wurden auch bereits genehmigt. Vierzig weitere Zusagen sollen noch im April folgen.


Via: Süddeutsche Zeitung

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