Das bedingungslose Grundeinkommen wird inzwischen auch auf der politischen Ebene durchaus ernsthaft diskutiert. So trat bei den Vorwahlen der demokratischen Partei in den Vereinigten Staaten mit Andrew Yang sogar ein Kandidat an, der seine ganze Kampagne auf dieser Forderung aufbaute. Kritiker halten seine und ähnliche Pläne allerdings für nicht finanzierbar. Ob dies stimmt, lässt sich bisher noch nicht eindeutig sagen. Denn Erfahrungswerte gibt es so gut wie keine. Einzelne Länder haben aber zumindest schon einmal kleinere Feldversuche unternommen. Viel Aufmerksamkeit erhielt beispielsweise ein Feldversuch in Finnland, bei dem die Forscher anschließend zu gemischten Ergebnissen kamen. Im Jahr 2017 wurde auch in der kanadischen Provinz Ontario ein Test gestartet. Dieser musste allerdings nach 17 Monaten abgebrochen werden, weil die neu gewählte Regierung die Zahlungen einstellte. Dennoch konnten Forscher nun drei wichtige Erkenntnisse präsentieren.


So war der Versuch in Kanada aufgebaut

Bei der Ausgestaltung des Grundeinkommens gibt es viele verschiedene Varianten. Auch dies macht es so schwierig, gesicherte Erkenntnisse zu gewinnen. In Ontario war das Modell so aufgebaut, dass jeder Teilnehmer umgerechnet etwas mehr als 1.000 US-Dollar im Monat erhielt. Bei Paaren lag die Summe einige hundert Dollar höher. Für das Geld selbst wurde keine Gegenleistung verlangt. Allerdings wurden von dem ausgezahlten Betrag für jeden anderweitig eingenommenen Dollar fünfzig Cent wieder abgezogen. Faktisch lohnte sich die Teilnahme für Singles also nur bis zu einem Einkommen von rund 24.000 Dollar im Jahr. Bei Paaren lag die entsprechende Grenze bei 34.000 Dollar. Insgesamt sollten 4.000 Teilnehmer das Geld über einen Zeitraum von drei Jahren erhalten. Dieser Zeitraum musste aber – wie bereits erwähnt – verkürzt werden. Für die Auswertung werteten die Forscher Fragebögen von 217 Teilnehmern aus und führten mit vierzig Probanden tiefer gehende Interviews.


Das sind die drei wichtigsten Erkenntnisse:

Auf dieser Datenbasis konnten die beteiligten Wissenschaftler dann drei Aussagen treffen:

1. Die Gesundheit der Teilnehmer verbesserte sich signifikant. So gaben die meisten Befragten in einer Selbsteinschätzung an, dass sie sich sowohl körperlich als auch mental deutlich besser fühlten. Folgerichtig mussten die Teilnehmer des Programms auch seltener zum Arzt und ins Krankenhaus. Außerdem konsumierten sie weniger schädliche Produkte wie Zigaretten oder Alkohol.

2. Die meisten möchten trotzdem arbeiten. Lediglich 17 Prozent der Teilnehmer kündigten ihren Job, ohne direkt etwas Neues zu haben. Rund die Hälfte davon tat dies aber auch nur, um sich weiterzubilden und zusätzliche Qualifikationen zu erwerben.

3. Die Jobsicherheit erhöhte sich. Hier lässt sich nach einem guten Jahr natürlich noch keine signifikante Statistik erstellen. Zumindest in der gefühlten Wahrnehmung sank aber die Wahrscheinlichkeit eines Jobverlustes. Die Forscher erklären sich dies durch die Tatsache, dass die finanzielle Unabhängigkeit dazu führte, dass sich die Teilnehmer auf bessere Jobs bewarben und nicht jede Stelle annehmen mussten.

Welche Folgen haben die Ergebnisse nun?

In Ontario selbst werden die Ergebnisse erst einmal keine Folgen haben. Denn das Projekt wurde vorzeitig abgebrochen und bisher gibt es keine Anzeichen für eine geplante Neuauflage. Innerhalb des politischen Diskurses könnten die Ergebnisse aber durchaus von Interesse sein. So wurde der Punkt, dass ein Grundeinkommen die Gesundheitssysteme entlasten könnte, bisher nur selten diskutiert. Nun kann man dies – zumindest ansatzweise – durch Zahlen belegen. Allerdings war die Zahl der befragten Teilnehmer auch vergleichsweise gering. Um wirklich sichere Aussagen zu treffen, wären zukünftig deutlich größer angelegte Versuche notwendig. Zumal es sich auch nicht um ein klassisches bedingungsloses Grundeinkommen handelte. Denn zum einen war der Auszahlungszeitraum begrenzt. Zum anderen wurde die Summe teilweise mit dem Lohn verrechnet. Beides dürfte nicht ohne Einfluss auf die Ergebnisse des Experiments geblieben sein.

Via: New Atlas

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