Eigentlich schien Großbritannien auf dem richtigen Weg zu sein. Dass Land, in dem die Kohle einst für den Start der industriellen Revolution verantwortlich war, hat sich in seinem Energiemix schon weitgehend von dem fossilen Energieträger verabschiedet. Die letzte Kohlemine schloss zudem vor einigen Jahren. Seitdem wird in Großbritannien keine Kohle mehr gefördert. Zumindest nach heutigem Stand. Denn die Firma West Cumbria Mining möchte dies wieder ändern: Sie hat den Antrag gestellt, vor der Küste Nordwestenglands eine neue Kohlemine auf dem Meeresboden eröffnen zu dürfen. Trotz heftiger Proteste von Umwelt- und Klimaschützern hat die lokale Politik bereits ihre Zustimmung erteilt. Die finale Entscheidung über das Projekt liegt nun bei der Regierung in London. Dort ist Robert Jenrick, Minister für Wohnungswesen, Gemeinden und Kommunalverwaltung, für das Thema zuständig.


Bild: Decumanus at English Wikipedia. [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]

Die Kohle ist vor allem für Stahlwerke gedacht

Der Bergbaukonzern verweist vor allem auf zwei Vorteile des geplanten Projekts. Zum einen entstünden rund 500 neue Arbeitsplätze. Dieses Argument verfing in der Region durchaus. Denn dort wurde schon einmal Kohle abgebaut. Als das örtliche Kohlebergwerk allerdings 1986 geschlossen wurde, gingen auf einen Schlag 3.500 Arbeitsplätze verloren. Die eher strukturschwache Region ist daher froh über jedes Investment, das neue Jobs schafft. Gleichzeitig will der Konzern mit der Kohle aus dem britischen Meeresboden keine Kraftwerke beliefern, sondern Stahlfabriken. Das Argument dahinter: Bisher werden jährlich 60 Millionen Tonnen sogenannter „Stahl-Kohle“ aus dem außereuropäischen Ausland in die EU importiert. Zumindest einen Teil dieser Nachfrage könnte man mithilfe der neuen Mine zukünftig selber decken. Um den Klimaschützern entgegen zu kommen, versprach das Unternehmen zudem, die Mine nur bis zum Jahr 2049 zu betreiben – ein Jahr später möchte Großbritannien vollkommen klimaneutral wirtschaften.

Umweltschützer sehen die Sicherheit von zwei Atomkraftwerken gefährdet

Umwelt- und Klimaschützer hingegen halten das Projekt aus zwei Gründen für sehr gefährlich. Zum einen haben sie ausgerechnet, dass die Planungen einen zusätzlichen CO2-Ausstoß von neun Millionen Tonnen pro Jahr zur Folge hätte. Außerdem setzen sie ohnehin darauf, dass auch die Stahlproduktion zukünftig ohne Kohle auskommen wird. Möglich ist dies mithilfe von Wasserstoff. Erste entsprechende Testprojekte laufen bereits – unter anderem auch im Ruhrgebiet bei ThyssenKrupp. Die Gegner des Projekts verweisen zudem noch auf eine zweite Gefahr: In unmittelbarer Nähe der geplanten Mine befindet sich die Atomanlage Sellafield. Außerdem soll mit dem AKW Moorside in der Region sogar noch ein zweites Kraftwerk entstehen. Kritiker befürchten nun, dass der Abbau der Kohle auf dem Meeresgrund Erdbeben zur Folge haben könnte. Diese wiederum könnten die Sicherheit der Atomanlagen beeinträchtigen. Außerdem gibt es die Befürchtung, dass die Kohlemine später einmal als Endlager für radioaktiven Abfall genutzt werden könnte.


Via: Klimareporter

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