Seit Beginn der Corona-Pandemie Anfang 2020 wird fieberhaft an dem Virus geforscht. Es geht nicht nur um die Entwicklung eines Impfstoffes (auch wenn dieses Vorhaben natürlich eine gewisse Priorität genießt), sondern auch darum, das Virus und die durch dieses ausgelöste Krankheit Covid-19 besser zu verstehen. Um dieses Ziel zu erreichen, läuft in Großbritannien nun ein Projekt an, das nicht ohne Risiko ist: In einer sogenannten Human-Challenge-Studie lassen sich Freiwillige mit SARS-CoV-2 infizieren, um bei der Suche nach Antworten auf Fragen zu helfen, die ohne die bloße Untersuchung von Patienten nicht beantwortet werden können.


Freiwillige Probanden gesucht

Im Rahmen der Studie werden zunächst 50 gesunde Freiwillige im Alter von 18 und 30 Jahren gesucht. Gefördert wird die Studie unter anderem von der britischen Regierung, die eine Gesamtsumme von etwa 37 Millionen Euro zugesagt hat. Organisiert wird die Studie vom Imperial College London in Zusammenarbeit mit dem auf Humane Virus-Challenge-Studien spezialisierten Unternehmen hVIVO. Dieses hat bereits Human-Challenge-Studien für Typhus, Noroviren und die Grippe durchgeführt. Momentan warten die Forscher allerdings noch auf die Genehmigung eines eigens gegründeten Ethikkomitees sowie der britischen Zulassungsbehörde MHRA.


Primäres Ziel der Studie ist die genauere Untersuchung des Infektions- und Krankheitsverlaufes. So soll in der ersten Phase etwa ermittelt werden, was die geringste Virus-Dosis ist, die für die Infizierung mit dem Virus erforderlich ist. Außerdem wollen die Forscher auch die Immunantwort auf die Infektion genauer untersuchen. Im Frühjahr 2021 soll dann ein Impfstoffkandidat geprüft werden, indem die Freiwilligen erst geimpft und dann mit dem Coronavirus konfrontiert werden. Auf diese Weise lässt sich schnell feststellen, welches Vakzine die Infektion verhindern kann, da eine natürliche Infektion der Probanden nicht erforderlich ist, was in einem Zeitersparnis resultiert.

Umstrittene Studie kann wichtige Erkenntnisse liefern

Mit diesem Ansatz können Forscher dann auch mehrere Impfstoffkandidaten parallel untersuchen, was die Entwicklung eines Covid-19-Vakzines beschleunigen würde. Human-Challenge-Studien können außerdem genutzt werden, um andere Behandlungen als Impfungen zu untersuchen.

Während der Studie werden die Probanden über mehrere Wochen auf einer Biosicherheitsstation des Royal Free Hospitals isoliert. Nach der Entlassung werden sie dann bis zu einem Jahr überwacht, um eventuelle Nebenwirkungen feststellen und behandeln zu können. Außerdem werden sie bezahlt.

Die absichtliche Infektion von Freiwilligen mit einem bekannten humanpathogenen Erreger wird niemals leichtfertig unternommen. Solche Studien sind jedoch enorm informativ über Krankheiten, selbst eine, die so gut untersucht ist wie Covid-19. Es ist wirklich wichtig, dass wir so schnell wie möglich wirksame Impfstoffe und andere Behandlungen für Covid-19 erhalten“, erklärt Peter Openshaw vom Imperial College London.

Dennoch handelt es sich bei Human-Challenge-Studien um umstrittene Maßnahmen. Im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 könnten die Probanden nicht nur schwer erkranken, sondern in der Theorie sogar sterben. Das Risiko ist auch deshalb besonders groß, weil es weiterhin keine wirksame Behandlung für Covid-19 gibt. Dahingehend unterscheidet sich die Studie auch von bisherigen Human-Challenge-Studien.

via Imperial College London

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