Die wenigsten Menschen denken an ein stabiles, sicheres Haus, wenn sie an Holzhäuser denken. Speziell in Mitteleuropa ist Holz als Baustoff mehr oder minder verschrien. Dabei sind Holzhäuser nicht nur sicher genug, um Orkanen, Erdbeben und Feuer zu widerstehen, sondern auch sehr klimafreundlich. Holz als Baustoff wäre eine gute Lösung, um auch in Großstädten klimafreundliche Bauten zu ermöglichen.


Das Wohnheim Brock Commons in Vancouver ist derzeit das höchste Holzhaus der Welt.
Foto: University of British Columbia

Holz als Baumaterial schont das Klima

In Deutschland herrscht Wohnungsnot. Um dagegen anzugehen, muss unter anderem mehr gebaut werden. Soweit, so logisch. Die Folgen sind das Entstehen neuer Stadtteile in diversen Städten sowie eine Baubranche, die geradezu boomt. Wer aber bei diesem Bauboom klar verliert, ist das Klima. In Deutschland werden neue Häuser weiterhin zum großen Teil aus Materialien wie Stahl, Stein und Beton verwendet. Der CO2-Abdruck dieser Materialien ist enorm. Die Herstellung von Zement etwa ist weltweit für ca. 8 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Unsere Bauwut belastet das Klima, daran besteht kein Zweifel.

Die Lösung für dieses Problem könnte ein Baustoff sein, der bereits seit Jahrhunderten verwendet wird: Holz. Die gängigen Assoziationen mit Holzhäusern sind Chalets in den Alpen oder Holzhütten in den Wäldern Kanadas. Moderne Holzhäuser haben mit diesen Klischees jedoch nichts mehr zu tun. Optisch lassen sie sich kaum von ihren Pendants aus Stahl und Beton unterscheiden, und auch was die Sicherheit angeht müssen sie sich nicht verstecken.


Und Holz als Baumaterial hat nicht nur einen niedrigen CO2-Abdruck, sondern kann auch dabei helfen, der Atmosphäre aktiv CO2 zu entziehen. Der Baustoff kann zu dem recycelt werden und wächst nach. Wobei es natürlich eine notwendige Bedingung wäre, dass das Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt und im Idealfall auch zertifiziert ist.

Angst vor Feuer ist unbegründet

Bereits vor vier Jahren rechneten Forscher aus Yale vor, dass ein Umstieg auf Holz als Baustoff in der Baubranche 14 bis 30 Prozent CO2-Emissionen sparen könnte. Und glaubt man Architekten und Klimaforschern, so ist die Baubranche durchaus bereit für den Umstieg. Und das liegt nicht nur am Thema Klimaschutz, sondern auch der Baustoff selber liefert gute Argumente.

Holz als Werkstoff bietet hohe Tragfähigkeit und zeichnet sich durch Stabilität bei gleichzeitiger Elastizität aus. Außerdem ist der Baustoff leicht, gut verfügbar und bietet gute Isolierungseigenschaften. Genug Gründe, um zu erklären, warum die Holzbauweise wieder begehrter wird. Unter anderem können bestehende Gebäude in Innenstädten so einfach aufgestockt werden, ohne dass dies auf Kosten der Statik geht.

Ein Vorurteil hält sich aber dennoch: Holz sei leicht entflammbar und deshalb gerade in Städten kein geeigneter Baustoff. Dies ist aber unbegründet. Gerade massive Holzbalken sind nur schwer entflammbar und wenn sie doch brennen, brennen sie im Gegensatz zu mit Kunststoff verschaltem Stahlbeton kontrolliert ab. Außerdem entwickeln sich keine giftigen Dämpfe.

Das Baurecht hinkt hinterher

In vielen Bundesländern ist es dennoch schwierig, Häuser aus Holz zu bauen. Dies liegt vor allem am Baurecht. Holzhäuser mit mehr als fünf Stockwerken benötigen eine Ausnahmegenehmigung. Außerdem sind die Brandschutzvorschriften für Holzhäuser aus Sicht vieler Experten immer noch übertrieben. Dies ist einer der Gründe, warum der Anteil mehrgeschossiger Holzhäuser mit mehr als drei Wohneinheiten in Deutschland nach Angaben des Berliner Branchenverbands Informationsdienst Holz bei nur 3,7 Prozent liegt. Bei fünfgeschössigen Gebäuden sind es nur 1,7 Prozent. Ein weiterer Grund ist, dass viele Bauherren Schwierigkeiten haben, sich von dem „Stein auf Stein“-Prinzip des Hausbaus zu trennen.

Dabei sind Holzhäuser genauso massiv wie solche aus Stein und Beton. Sie können Orkanen trotzen, sind erdbebenfest und bieten darüber hinaus oft noch mehr Platz als ihre Pendants aus Stahlbeton.

Häuserbau nach dem Baukastenprinzip

Das höchste Holzhochhaus der Welt steht derzeit im kanadischen Vancouver. Das Studentenwohnheim UBC Brock Commons ragt 53 Meter in die Höhe. Doch bereits jetzt sind Wolkenkratzer aus Holz in Planung, so etwa der 300 Meter hohe Oakwood Timber Tower in London. Und auch in Chicago soll mit dem River Beech Tower eines Tages ein 244 Meter hohes Holzhaus gebaut werden.

In Deutschland ist das höchste Holzhaus des Landes momentan im Bau: In Heilbronn entsteht derzeit das zehngeschössige Haus „Skaio“, das 34 Meter in die Höhe ragen wird. Dabei besteht das Skelett des Hauses aus Massivholz, das Treppenhaus und der Fahrstuhlschacht aber wegen der Brandschutzauslagen aus Stahlbeton.

Der Hausbau aus Holz ist inzwischen schon so weit, dass Hightech-Holzbauelemente maßgeschneidert in Fabriken hergestellt werden und an der Baustelle nur noch zusammengesetzt werden müssen. Das spart Ressourcen und Zeit und macht den Hausbau für die Anwohner erträglicher. Der entstehende Zeitvorteil gleicht auch einen guten Teil der Kosten für die etwas teurere Holzbauweise wieder wett. Ein Holzhaus kostet derzeit etwa 6 bis 15 Prozent mehr als der Bau eines herkömmlichen Hauses.

Bis Holz sich als Baustoff (wieder) richtig durchgesetzt hat, wird aber noch etwas Zeit vergehen. Das Problem liegt in Vorurteilen, der Baulobby und einer im Vergleich dazu eher kleinteiligen Holzbranche.

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1 Kommentar

  1. Uwe

    15. März 2019 at 15:40

    Holz, oder genauer Holzfaser lässt sich in Naturfaserverbundwerkstoffen wunderbar im 3D-Drucker verarbeiten. Das schafft die Möglichkeit Häuser zu bauen, die ein zigfaches der statischen Stabilität (Erdbebensicherheit) von Stahlbeton aufweisen und trotzdem extrem leicht und Material sparend sind.

    Nur rund 10 % eines Holzblockhauses sind notwendig um so ein 3D-Druckhaus zu produzieren. Unbrennbar, recyclebar u.v.m.

    Wieso kommt Ihr da mit Baumaterial aus dem Neolithikum um die Ecke?

    Dachte, hier geht es um „Trends der Zukunft!“

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