Das Heizkraftwerk Tiefstack mitten in Hamburg versorgt rund 500.000 Wohnungen mit Fernwärme. Verfeuert wird dafür noch ganz klassisch Kohle. Dadurch allerdings ist die Anlage auch einer der größten CO2-Verursacher in der Hansestadt. Die Politik ist daher um Alternativen bemüht. Konkret soll ab dem Jahr 2030 gar keine Kohle mehr zur Wärmegewinnung verbrannt werden. Möglich wäre hier eine Umrüstung auf die Nutzung von Erdgas. Dies würde zwar die CO2-Emissionen senken, wäre aber auch nur eine Übergangslösung. Denn natürlich ist auch Gas ein fossiler Brennstoff. Eine deutlich bessere Alternative stellt daher die Verwendung von Biomasse dar. Die in Hamburg angedachte Umsetzung ist allerdings ein wenig ungewöhnlich. Denn dort wird geplant, in dem Heizkraftwerk zukünftig Holz aus Namibia zu verfeuern. Das Vorhaben wirft einige grundsätzliche Fragen auf.


Bild: Uwe Rohwedder, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Kleine baumartige Gewächse senken den Grundwasserspiegel

Zunächst einmal: Kann es wirklich klimafreundlich sein, Holz aus Afrika nach Hamburg zu verschiffen, um es dort dann zu verbrennen? Diese Frage ist bereits weitgehend geklärt. So hat die Hochschule Trier bereits entsprechende Kalkulationen durchgeführt. Das Ergebnis: Pro Megawattstunde würden rund 13 Kilogramm CO2 anfallen. Bei der Verwendung von Erdgas wären es hingegen 250 Kilogramm. Doch wie wird das Holz in Namibia überhaupt gewonnen? Hier kommt das Phänomen der Verbuschung ins Spiel. Folgt man den Angaben der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit ist mittlerweile rund die Hälfe Namibias dicht mit Büschen beziehungsweise kleinen Bäumen bewachsen. Dies hat durchaus negative Auswirkungen. So sinkt dadurch der Grundwasserspiegel. Außerdem führt die zunehmende Verbuschung dazu, dass andere Flächen – etwa mit Gras bewachsene – verdrängt werden.

Das Projekt wird zunächst noch intensiv geprüft

Verhindert werden kann die Verbuschung nur durch gezielte menschliche Eingriffe. Sprich: Die Gewächse müssen gefällt werden. Dadurch aber fällt in Namibia jede Menge an Holz an. Im Land selbst fehlt es aber an Kapazitäten, um diese Energiequelle sinnvoll zu nutzen. Eine Delegation des afrikanischen Landes nutzte daher einen Besuch in Hamburg, um für den Import der Buschbiomasse zu werben. Im Mai des vergangenen Jahres wurde schließlich ein sogenanntes „Memorandum of Understanding“ unterzeichnet. Darin ist aber lediglich festgehalten, dass eine Biomassepartnerschaft geprüft wird. Seitdem beraten unter anderem wissenschaftliche Institutionen, Gewerkschaften, Umweltschutzgruppen und Vertreter der Fernwärme-Industrie über die Sinnhaftigkeit des Projekts. Eine finale Entscheidung ist bisher nicht gefallen. Grundsätzlich ist die Nutzung von Holz als Energie- oder Wärmequelle allerdings nicht unumstritten.


Via: Klimareporter

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