Das britische Wirtschaftsmagazin „The Economist“ hat Daten im vergangenen Jahr als wertvollsten Rohstoff weltweit bezeichnet. Tatsächlich verbinden sich mit der Auswertung von riesigen Datenmengen auch gewaltige Hoffnungen. So soll Big Data beispielsweise bei der Verbrechensbekämpfung helfen, indem prognostiziert wird, wo zukünftig besonders viele Straftaten anfallen werden. Darauf kann die Polizei dann mit gezielten Maßnahmen reagieren. In Israel wollen Forscher nun ebenfalls gewaltige Datenmengen erheben und damit den Kampf gegen das Corona-Virus vereinfachen. So hat ein Team am Weizmann-Forschungsinstitut um den Computerbiologen Eran Segal eine Online-Umfrage in fünf Sprachen entwickelt. Dort müssen die Nutzer innerhalb von einer Minute einige konkrete Fragen beantworten – vom Alter über das Geschlecht bis hin zur Körpertemperatur sowie sieben verschiedenen Symptomen.


In nicht betroffenen Regionen können die Maßnahmen reduziert werden

Das Ziel ist es aber nicht, einzelne Corona-Fälle zu identifizieren. Dies kann auch weiterhin nur durch medizinische Tests erfolgen. Vielmehr geht es darum, bestimmte Gebiete zu erkennen, in denen Handlungsbedarf besteht. Weisen in einem Stadtviertel beispielsweise besonders viele Personen markante Symptome auf, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sich dort auch infizierte Personen aufhalten. In einem solchen Fall könnten die Gesundheitsbehörden dann zeitnah reagieren und beispielsweise eine Ausgangssperre verhängen. Umgekehrt gilt aber auch: Dort wo keine oder nur wenige Symptome auftreten, können die Maßnahmen gelockert werden. Insgesamt sollen so die staatlichen Handlungsmöglichkeiten gegen das Corona-Virus gezielter zum Einsatz gebracht werden können. Es ist daher auch kein Wunder, dass sich weltweit schon mehr als zehn Länder für das israelische Projekt interessiert haben.


Orthodoxe Juden sind online nicht zu erreichen

Dabei geben die beteiligten Forscher offen zu, dass ihr System noch nicht ideal läuft. Der erste Punkt ist dabei relativ leicht zu ändern: Bisher gibt es erst einige hunderttausend tägliche Nutzer. Um die Stärke von Big Data aber voll nutzen zu können, muss die Teilnehmerzahl auf mehrere Millionen steigen. Dies sollte kein Ding der Unmöglichkeit darstellen. Problematisch ist aber auch noch ein zweiter Punkt: Die Viertel, die von orthodoxen Juden bewohnt sind, werden von der Online-Umfrage bisher so gut wie gar nicht erreicht. Dabei gibt es dort besonders viele Verstöße gegen die behördliche Anweisung zur Kontaktreduzierung zu verzeichnen. Die israelischen Forscher setzen daher auf einen Trick: Zukünftig sollen in der Wirtschaftskrise ohnehin nicht voll ausgelastete Callcenter genutzt werden, um die orthodoxen Einwohner zu erreichen.

Via: FAZ

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