Das Leipziger Unternehmen Deutsche Energieversorgung hat seinen Kunden seit dem 1. Juni dieses Jahres 30.000 Kilowattstunden Strom im Wert von rund 9000 Euro geschenkt. Was nach einer sozialen Wohltat klingt, ist in Wirklichkeit ein gutes Geschäft für beide Seiten. Die Leipziger kassieren von den Netzbetreibern Prämien, weil sie Verbraucher zur Verfügung stellen, die Überschussstrom von Wind- und Solarkraftwerken abnehmen. Die Verbraucher besitzen Solaranlagen und Pufferbatterien, die mit diesem Strom versorgt werden.


Strom selber erzeugen

200.000 Kilowatt kostenloser Strom

All diese Batterien – mittlerweile sind es mehr als 6000 – sind zu einem virtuellen Netzwerk zusammengeschlossen, das bei Bedarf, wenn also der Wind heftig weht, Strom abnimmt. Dadurch wird verhindert, dass Windgeneratoren abgeschaltet werden müssen, wenn sie zu viel Strom produzieren, oder, noch schlimmer, dass Strom kostenlos ins Ausland abgegeben werden muss. Manchmal müssen die Netzbetreiber sogar dafür bezahlen, dass jemand Strom abnimmt. Bis zum Jahresende sollen insgesamt rund 200.000 Kilowattstunden verschenkt werden, schätzt das Unternehmen.
Das Leipziger Unternehmen bietet privaten und kommerziellen Betreibern von Solaranlagen Pufferbatterien an, die sie Senec.Home und Senec.Business nennen. Sie sind über das Econamic Grid genannte virtuelle Netz miteinander verbunden. Die Kunden bekommen pro Jahr bis zu 800 Kilowattstunden Strom geschenkt. Wenn sie noch in einen Heizstab investieren, der Brauchwasser erwärmt, gibt es bis zu 2500 Kilowattstunden extra.„Wir wollen an Econamic Grid nichts verdienen“, sagt Rico Kleindienst, der Marketing Manager des Unternehmens, „sondern unser Pufferspeicherangebot attraktiver machen.“ Für einen zumindest kleinen Gewinn dürfte es dennoch reichen.


Eco Grid
Eco Grid Funktionsweise (Bild: senec-ies.com)

Econamic Grid könnte Strom auch wieder abgeben

Die Besitzer von Solaranlagen mit Pufferbatterien sind geradezu prädestiniert für die Abnahme von überschüssigem Windstrom, der vor allem in sonnenarmen Zeiten anfällt. Denn dann produzieren die Zellen auf dem Dach nur wenig Strom. Abnehmer werden händeringend gesucht, um das Stromnetz stabil zu halten. Es darf immer nur so viel Strom ins Netz fließen wie abgenommen wird, sonst bricht das Netz zusammen. Dafür sorgen Regelenergie-Teilnehmer. Das sind beispielsweise Pumpspeicherkraftwerke. Diese verwerten Überschussstrom, indem riesige Pumpen Wasser in ein hoch gelegenes Becken pumpen. Bei Strommangel schießt das Wasser zu Tal und treibt Turbogeneratoren an, die Strom erzeugen. Das Econamic Grid kann dagegen nur Strom aufnehmen, jedenfalls in der jetzt realisierten Form. Theoretisch könnte es auch Strom abgeben, beispielsweise bei starker Sonneneinstrahlung. Doch dazu müsste es technisch aufgerüstet werden.

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