Sogenannte Car-T-Therapien gelten als große neue Hoffnung im Kampf gegen Krebserkrankungen. Vereinfacht ausgedrückt werden Immunzellen dabei so umprogrammiert, dass sie gezielt den Tumor angreifen und zerstören. Schon vor zwei Jahren wurden zwei entsprechende Therapien in der Europäischen Union zugelassen: Kymriah von der Firma Novartis und Yescarta vom Pharmaunternehmen Gilead. Erste Studien zeigen bereits, dass der Ansatz durchaus erfolgreich sein kann. Denn immerhin zwischen dreißig und sechzig Prozent der behandelten Patienten hatten in den ersten Jahren nach der Behandlung keinen Rückfall. Da die Therapien bisher nur zum Einsatz kommen, wenn alle anderen Methoden nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben, ist dies ein sehr guter Wert. Ganz ungetrübt ist die Freude über diese Erfolge allerdings nicht.


Krebszellen
T-Zellen beim Angriff auf eine Krebszelle. Foto: Killer T cells surround a cancer cell, NIH Image Gallery, Flickr, CC BY-SA 2.0

Die Herstellung vor Ort ist deutlich preiswerter

Denn die Behandlungen sind extrem teuer. So kostet die Anwendung von Kymriah 275.000 Euro, während Yescarta sogar mit 282.000 Euro zu Buche schlägt. Bisher ist dies noch kein besonders großes Problem, weil die Behandlungen nur bei einzelnen Krebsarten und in besonderen Situationen eingesetzt werden. Aktuell müssen die Krankenkassen die Kosten daher nur vergleichsweise selten erstatten. Sobald Car-T-Therapien aber großflächig zum Einsatz kommen sollen, könnte dies die finanzielle Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems übersteigen. Allerdings gibt es auch einen Hoffnungsschimmer. Denn die deutschen Universitätskliniken sind oftmals in der Lage, die benötigten Immunzellen auch selbst zu produzieren. Die Kosten könnten dadurch auf nur noch rund ein Drittel sinken. An der Universitätsklinik Heidelberg wird dies bereits erfolgreich praktiziert.

Bisher ist der Einsatz nur bei klinischen Studien möglich

Dort entnehmen Mitarbeiter der Klinik den Patienten spezielle Immunzellen aus dem Blut und verändern diese gentechnisch. Anschließend erhalten die Erkrankten die Zellen zurück. Insgesamt wurden in Heidelberg inzwischen 19 Patienten auf diese Weise behandelt. Der Vorteil dabei: Die Therapie wird kontinuierlich weiter entwickelt. Mit jeder Entnahme lernen die Mitarbeiter dazu. Im Laufe der Zeit kann so die gentechnische Anpassung immer weiter verbessert werden, sodass die Immunzellen beispielsweise eine bessere Wirkung oder eine längere Lebensdauer erhalten. Bisher allerdings ist die Behandlung von Patienten auf diese Weise nur im Rahmen von klinischen Studien möglich. Ändern könnte dies nun ein Antrag in Spanien. Dort hat das Krankenhaus Clìnic in Barcelona bei den staatlichen Behörden einen Antrag eingereicht, um auch normale Patienten mit selbst hergestellten Immunzellen behandeln zu dürfen. Die Kosten würden dann ganz normal von den Krankenkassen erstattet.


Via: Sueddeutsche Zeitung

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