Eine der schlimmsten Volkskrankheiten, Osteoporose oder Knochenschwund genannt, lässt sich in den Griff bekommen. Am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel ist ein Früherkennungsverfahren entwickelt worden, das eine rechtzeitige Behandlung mit guten Erfolgsaussichten ermöglicht. Osteolabs, ein Unternehmen, das aus Geomar hervorgegangen ist und ebenfalls in Kielangesiedelt ist, vermarktet den Test. Jetzt erhielt das Verfahren den EARTO-Innovationspreis, den die Europäische Vereinigung der Forschungs- und Technologieorganisationen vergibt.


Bild: GEOMAR

Isotopenmix mit zwei Anwendungen

Eigentlich wollten die Geomar-Forscher die Geschichte der Ozeane rekonstruieren. Dazu analysierten sie Proben aus dem Sediment der Meere mit einem Massenspektrometer. „Das Verhältnis verschiedener stabiler Metallisotope ist für uns ein wichtiger Indikator für Klimaparameter wie zum Beispiel die Temperatur im Laufe der Zeiten“, so Geomar-Projektleiter Anton Eisenhauer, Professor für Professor für Marine Umweltgeochemie, der Osteolabs initiierte.

Einer dieser Feststoffe war Calcium, das im Meer eine wichtige Rolle spielt und auch für die Stabilität der Knochen bedeutend ist. Calcium hat 26 Isotope, die chemisch gleich sind, sich aber in der Zahl der Neutronen im Atomkern unterscheiden. Mediziner wissen, dass die Zusammensetzung der Isotope im Knochen den Beweis für das Auftreten oder Fehlen von Osteoporose liefern. Wenn Knochen demineralisieren, also brüchig werden, scheiden sie mehr schwere Calciumisotope aus als gesunde Knochen. Sie landen im Urin. Doch die Zusammensetzung zu bestimmen ist ein höchst aufwändiger invasiver Prozess.


Die Früherkennung kostet 169 Euro

Nicht jedoch mit dem Massenspektrometer. „Wir können die Isotopenverhältnisse des Calciums hochpräzise messen“, so Eisenhauer. Als Probe reicht ein wenig Urin. Sie wird an das Labor geschickt und dieses warnt den Patienten, wenn er Gefahr läuft, an Osteoporose zu erkranken. Der Test kostet 169 Euro, die privat gezahlt werden müssen, die Kassen erstatten die Kosten nicht.

Dabei könnten sie einiges sparen. Die Kosten für die Heilung von Knochenbrüchen auf Grund von Osteoporose belaufen sich auf mehrere Milliarden Euro pro Jahr. Allein Oberschenkelhalsbrüche schlagen mit 2,5 Milliarden Euro zu Buche. In Europa leiden mehr als 20 Millionen Menschen an der Krankheit, die vor allem Frauen befällt, die 50 Jahre oder älter sind.

via GEOMAR

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